Schwangerschaft ohne Probleme

Der Weg zur sanften Geburt

Das Verkünden der wunderbaren Neuigkeit

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Willkommen, Gast · RSS 14.12.2017, 00:26


Das Verkünden der wunderbaren Neuigkeit

Schon immer hat man eine Frau, die schwanger wurde und deren Mann einen Job hat und nicht mit einer anderen verheiratet ist, mit Gratulationen und guten Wünschen überschüttet. (Es bleibt zu hoffen, dass sie nicht nur mit guten Wünschen überschüttet wird, sondern ihr Mann sich auch noch in anderer Weise verantwortlich fühlt, aber davon später.) Die Nachricht, dass du schwanger bist, ist jedes Mal groß und einzigartig. Das kannst du schon spüren, wenn die Arzthelferin aus dem Labor kommt und dich strahlend anlächelt.

Als allgemeine Regel gilt: Wenn es deine erste Schwangerschaft ist, wirst du die phantastische Neuigkeit zuerst und vor allen anderen deinem Mann erzählen (abgesehen von deinem Arzt natürlich). Ist es jedoch schon dein zweites oder drittes Baby, wirst du es zuerst all deinen Freundinnen erzählen, die du per Telefon, Fax oder E-Mail erreichen kannst, dann deiner Mutter, deinem Vater und jedem Fremden, der sich zufällig nach deinem Befinden erkundigt, und ganz zuletzt deinem Mann. Und sollte es schon deine vierte, fünfte oder sechste Schwangerschaft sein ... nun darüber müsste man dann eigentlich ein ganz neues Buch schreiben. Wenn Frauen und Männer emotional wirklich ähnliche Empfindungen hätten, würden alle werdenden Väter zusammen mit ihren Frauen aufgeregt im Wartezimmer des Arztes auf die bedeutungsvollen Neuigkeiten warten und dabei alte Ausgaben der Brigitte durchblättern oder Anleitungen zum Abtasten der Brust studieren. Wenn es deine erste Schwangerschaft ist, könnte es tatsächlich sein, dass dein Mann mit dabei ist und ebenfalls von der Arzthelferin angelächelt wird. Sollte er nicht dabei sein, dann denke daran, dass selbst gute Ehemänner nicht jedes Mal anwesend sind, während ihre Frauen von ihrer Schwangerschaft erfahren. Sie können trotzdem noch wunderbare, aufmerksame Väter werden. Ein guter Ehemann ist unter anderem ein Mann mit einem Job, und ein Mann mit Job ist nicht immer in der Lage, sich einen Nachmittag für einen Besuch beim Frauenarzt freizunehmen. Bleib realistisch: Ein beschäftigter Mann ist nicht automatisch gleich ein schlechter Vater.

Dein Frauenarzt

Vergiss nicht, dass die vielleicht wichtigste Person, die über deine Schwangerschaft informiert sein sollte, dein Frauenarzt ist. Wenn also er oder sie die erste Person ist, die diese Neuigkeiten erfährt, ist dagegen überhaupt nichts einzuwenden. Obwohl die neuesten Schwangerschaftstests aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung sehr empfindlich und fast hundertprozentig sicher sind - besonders bei positivem Ergebnis -, fühlen sich die meisten Frauen beim ersten Mal erst dann offiziell schwanger, wenn es ihnen ihr Frauenarzt offiziell bestätigt hat. Selbst wenn du schon fast sicher bist, schwanger zu sein, kann es noch einen Schock bedeuten, die Neuigkeiten aus dem Mund eines Arztes zu hören. In einer solchen Situation bekommen auch die mit den stärksten Nerven weiche Knie und sind dankbar, wenn wenigstens einer im Raum sich mit Wiederbelebungspraktiken auskennt.

Du wirst wahrscheinlich zuerst einmal die etwas dumme Frage stellen: »Sind Sie sicher?« Und danach wirst du zweifellos fragen: »Wann ist der Termin?« Es gibt kaum Aufregenderes, als dem Arzt zuzusehen, wie er seine kleine runde Pappschablone voller Zahlen zückt und die erwartete Ankunft des Babys berechnet. Dieses Datum wird sich dann in dein Bewusstsein eingravieren - als ob eine Schwangerschaft sich mit der Buchung eines Flugs vergleichen ließe: »Wenn die mir sagen, dass es am 4. August kommt, dann wird es auch am 4. August kommen!« Deine Freundinnen können dir noch so oft raten, dich nicht zu sehr auf diesen Termin zu verlassen, du wirst dieses Datum immer vor Augen haben und dein ganzes Leben danach planen. Wenn dann der große Tag kommt und das Baby meldet sich nicht - wie es häufig bei Frauen der Fall ist, die ihr erstes Kind erwarten -, wirst du vollkommen orientierungslos sein und überhaupt nicht mehr wissen, was du bis zur ersten Wehe tun sollst. Bei deinen nächsten Schwangerschaften wirst du es vielleicht so machen wie ich bei meiner dritten und vierten: Du wirst dir ungefähr drei Schwangerschaftstests für zu Hause kaufen (und vorsichtig versuchen, nur das Ende des Streifens, nicht den gesamten Streifen und auch nicht deine Hand mit Urin zu benetzen. Das klingt einfacher, als es ist!). Natürlich ist ein Test zuverlässig genug, aber einige von uns brauchen diese zusätzliche Bestätigung durch - sinnlose - Wiederholungen. Hier ist der ständige Blasendrang schwangerer Frauen ausnahmsweise einmal praktisch. Danach stellst du alle Streifen auf die Ablage im Badezimmer und wartest, bis sich die Farbe ändert. Wenn die Ergebnisse einheitlich ausfallen, ruf deinen Frauenarzt an und verständige sie oder ihn, dass du schwanger bist und in den nächsten Wochen einmal vorbeikommen wirst, um ein paar Dinge abzuklären - zum Beispiel, ob schon ein Herzton zu hören ist (oftmals ist schon nach sechs Wochen im Ultraschall ein schwacher Herzton erkennbar) und ob du dich schon um einen Platz im Kindergarten kümmern solltest.

Wenn dein Mann dich zum Frauenarzt begleitet hat und ihr gemeinsam die wunderbare Neuigkeit erfahrt, könnt ihr euch jetzt um den Hals fallen und ein bisschen weinen, so wie es immer in der Werbung für Schwangerschaftstests zu sehen ist. Wenn dein Mann nicht mit dabei sein kann, wird dir in der nächsten Viertelstunde die gesamte Belegschaft des Arztes gratulieren, und du kannst dir in Ruhe überlegen, wie du deinem Mann sagen willst, dass er Papa wird.

Dein Mann

Einige meiner Freundinnen haben ziemlich sentimentale Vorstellungen über die Art und Weise, wie sie die Neuigkeit mitteilen wollen. Sehr beliebt ist ein Abendessen mit Kerzenschein und romantischer Musik im Hintergrund. Käme allerdings mein Mann nach Haus und fände ein solches Arrangement vor, würde er vermuten, ich wäre in eine Sekte eingetreten und hätte dem Guru unser ganzes Geld gegeben. Er wäre so erleichtert zu hören, dass ich nur ein Baby bekomme - meine Ankündigung würde ihn eher wieder auf den Boden zurückbringen.

Da ich mehr ferngesehen habe, als gut für mich war, habe ich mir immer vorgestellt, dass ich es meinem Mann während eines Strandspaziergangs Hand in Hand bei Sonnenuntergang erzählen würde. Ich würde mich zu ihm drehen, er würde mich umarmen und wir würden aufs Meer bücken und uns die Zukunft unseres Kindes ausmalen. Vielleicht würde er mir sogar etwas Romantisches vorsingen. So war es dann nie, sondern meistens ungefähr so: Ich rief ihn noch von der Praxis des Arztes aus an und schrie hysterisch seine Sekretärin an: »Was heißt, Sie können ihm nur etwas ausrichten? Sagen Sie ihm, er soll sofort aus dieser Besprechung kommen und mit mir reden, ich bin nämlich SCHWANGER!« Progesteron hat auf mich eben keinen guten Einfluss.

Als ich zum vierten Mal schwanger war (und so ziemlich zu allem entschlossen), habe ich es mit einem romantischen Essen bei Kerzenschein versucht und Folgendes gelernt: Wenn du deinem Mann sagen willst, dass er Vater wird, und ihm dabei direkt in die Augen siehst, ist es fast unmöglich, nicht schon vor dem ersten Wort in Tränen auszubrechen. Dabei ist es ganz egal, wie oft du das schon gemacht hast und welche Einstellung du zu deiner Schwangerschaft hast. Die ersten Male wirst du die Worte »Ich bekomme ein Baby« vor lauter Rührung kaum über die Lippen bringen. Bei den Worten »Liebling, rate mal, was passiert ist?« wäre ich fast erstickt. Mein armer Mann fürchtete schon das Schlimmste - dass unser Hund gestorben ist zum Beispiel oder dass ich seine Baseball-Jacke verloren habe -, bevor ich endlich mit der Sprache herausrückte. Und als es dann draußen war, schien sein Gesichtsausdruck sagen zu wollen: »Ach so, ist das alles?«

Tatsächlich kann ich mich bei diesem letzten Mal auch noch genau daran erinnern, dass er sagte: »Wie kannst du mir das antun?« (Man muss allerdings hinzufügen, dass es unser viertes Baby innerhalb von fünf Jahren war.) Daraufhin murmelte ich etwas in der Art vor mich hin, nach meinem elementaren Biologieverständnis sei es wohl eher er, der etwas mit mir gemacht habe. Aber es war nicht der richtige Moment für Spitzfindigkeiten. Bevor ich mich wegen meiner verletzten Gefühle vollkommen in Tränen auflösen konnte, fiel mir ein, dass der Mann meiner Freundin Mindy vor sechs Jahren auf ähnlich begeisterte Weise auf ihre Schwangerschaft reagiert hatte. Ich glaube, seine genauen Worte waren: »Es tut mir leid, aber dazu bin ich noch nicht bereit.« Er war sich dann während ihrer ganzen Schwangerschaft nicht sicher, ob er dazu schon bereit sei, und während sie vierzig Stunden lang in den Wehen lag, las er alte Ausgaben von Motorradzeitschriften. Aber mit dem ersten Atemzug des neu geborenen kleinen Mädchens wurde er ein hingebungsvoller Vater, der sein Baby über alles liebte.

Denk an diese Beispiele: Beide haben ziemlich schwach angefangen und sind dann zu Kandidaten für den Vater des Jahrzehnts geworden. Es ist nicht unbedingt ratsam, sich die erste Reaktion deines Mannes zu sehr zu Herzen zu nehmen. Wenn du willst, kannst du dir diesen Mangel an Begeisterung auch merken und ihm später unter die Nase reiben. Wenn unsere Kleinste meinen Mann wieder einmal fast zu Tränen rührt, sage ich gelegentlich: »Und das ist das Kind, das du nicht gewollt hast!« Dann renne ich so schnell wie möglich aus dem Zimmer.

Mit dem Telefon habe ich bessere Resultate erzielt. Man kommt sofort zur Sache, sieht sich nicht und gibt dem anderen genügend Zeit, sich an die Vorstellung zu gewöhnen, bevor er nach Hause kommt. Ein guter Ehemann kann in ungefähr sechs Stunden über so ziemlich alles hinwegkommen. Hinzu kommt - und das ist für ein Plappermaul wie mich vielleicht das Wichtigste -, dass ich kein schlechtes Gewissen mehr zu haben brauchte und die Neuigkeit bedenkenlos allen anderen erzählen konnte, nachdem ich meinen Mann korrekterweise zuerst eingeweiht hatte.

Wie du an meiner und Mindys Erfahrung sehen kannst, löst die Nachricht von deiner Schwangerschaft bei deinem Mann unter Umständen gemischte Gefühle aus. Darauf solltest du gefasst sein. Fast alle Frauen sind in ihrem hormonell stimulierten Zustand ziemlich enttäuscht, wenn ihre Männer nicht mit der richtigen Mischung aus Freude, Stolz und Bewunderung reagieren. Ganz egal, wie sehr ihr beide euch auf die Schwangerschaft gefreut habt (oder auch nicht), bleib mit deinen Füßen auf dem Teppich: Nur Ricky Ricardo* hat seine Frau vor dem versammelten Tropicana Club in die Arme genommen und sentimental gesungen: »Wir bekommen ein Baby, mein Baby und ich.« Die meisten Männer meiner Freundinnen haben jedoch mit einem eher verblüfften Gesichtsausdruck und der unvermeidlichen Frage »Bist du sicher?« reagiert. Vielleicht hast du Glück, und dein Mann entwickelt wenigstens ab und zu die Gefühle, die du dir erwartest. Die meisten Männer treten jedoch gleich zu Beginn ins Fettnäpfchen, indem sie zu gleichen Teilen mit Entsetzen und Furcht reagieren. Wenn sie fragen »Bist du sicher?«, wollen sie damit eigentlich sagen: »Und was passiert, wenn ich es nicht will?« Sei ehrlich, diese Frage hast du dir wenigstens einmal auch schon selbst gestellt. Wenn nicht, versichere ich dir, dass du sie dir noch stellen wirst: entweder wenn du mit deinem Kopf über der Toilettenschüssel hängst oder neun (zehn) Monate später nach stundenlangem Pressen. (Viele Eltern von Teenagern berichten, dass sie sich diese Frage auch fünfzehn Jahre später noch gestellt haben. Also gönn dem Kerl eine Verschnaufpause. Dein Mann wird während der nächsten neun Monate noch so viele andere deiner Erwartungen nicht erfüllen, dass es sich nicht lohnt, sich mit Einzelheiten aufzuhalten. Sei nicht zu streng mit ihm, wenn er sich nicht darum reißt, die Babyausstattung mit dir zu kaufen, nicht ganz versteht, warum er deinen Bauch ständig ansingen soll, sich nicht jeden Tag den Kopf über Vornamen zerbricht und sich schlichtweg weigert, ein Geburtsvideo (mit vollkommen fremden Akteuren) anzusehen.

Es ist nicht so, dass er das Baby nicht will, aber wahrscheinlich fürchtet er, dass sein Leben in Zukunft nur noch aus Sorgen und Verantwortung bestehen wird und der Spaß dabei zu kurz kommt. Aber vertrau mir, es wird ihm - jedenfalls meistens - den Preis wert sein. Und das wird er sogar selbst zugeben, wenn das Baby erst einmal da ist. Als mein Mann seinem Freund Larry erzählte, dass wir ein Baby bekämen, antwortete Larry, Vater zweier heranwachsender Söhne: »Herzlichen Glückwunsch, das werden die besten zwölf Jahre deines Lebens.« Und Larry hatte SÖHNE! Nun ja, über Teenager werde ich mich in einem anderen Buch auslassen.

Deine Freundinnen

Eine Frau, die älter als einundzwanzig ist und verkündet, dass sie schwanger ist (und deren Mann nicht gerade im Gefängnis sitzt), wird mit ihrer Nachricht überall Freude auslösen. Wir Frauen fragen uns nicht gleich besorgt, ob das Paar sich ein Kind überhaupt leisten kann oder ob es in ihrer Beziehung nicht zu früh ist für ein Kind. Wir finden es einfach schön, wenn eine Frau schwanger ist, und kümmern uns selten um die praktischen Aspekte. Für die finanziellen Bedenken sind ausschließlich die werdenden Väter zuständig. (Gefallt es dir nicht auch, nur in großzügigen Kategorien zu denken? Das erleichtert das Leben ganz erheblich.) Deine Freundinnen, die keine Kinder haben, werden es als amüsante Abwechslung begrüßen, in den nächsten neun Monaten deinen Bauch wachsen zu sehen. Deine Freundinnen mit Kindern werden dankbar dafür sein, jedes Detail ihrer eigenen Schwangerschaft und insbesondere der Geburt mit dir teilen zu können. Übrigens - dieses Buch hat den unschätzbaren Vorteil, dass du es jederzeit zuschlagen kannst, wenn du nichts mehr von Schwangerschaft hören willst.

Sobald deine Freundinnen wissen, dass du schwanger bist, wirst du dich nie mehr mit ihnen unterhalten können, ohne dass sie dir Fragen über das Baby stellen. Einige meiner schwangeren Freundinnen haben sich irgendwann wie ein Gefäß gefühlt und nicht mehr wie ein Mensch, weil ihre gesamte Identität von dem heranwachsenden Kind eingenommen schien. Einige Freundinnen können sich noch so deutlich an jedes Detail ihrer Schwangerschaft erinnern, dass man bereut, sie überhaupt danach gefragt zu haben. Deine mitfühlenden Freundinnen dagegen werden dir bestätigen, wie gut du aussiehst und dass du kaum zugenommen hast. Du kannst dann selbst entscheiden, ob du ihnen glauben willst.

Deine Mutter

Mütter allerdings werden vor deiner Gewichtszunahme nicht die Augen verschließen, weil man ihnen, wie schon gesagt, beigebracht hat, dass man nicht mehr als sechs bis acht Kilo zunehmen dürfe. Alles andere sei reine Gefräßigkeit. Abgesehen von diesem leidigen Thema kann es sehr schön sein, deiner Mutter von deiner Schwangerschaft zu erzählen - mehr als du dir zunächst vielleicht vorstellen kannst. Vor allem wenn deine Mutter den Namen deines Mannes aussprechen kann, ohne auf den Boden zu spucken oder andere Zeichen der Verachtung von sich zu geben. Erstaunlicherweise wird es mit dem Fortschreiten deiner Schwangerschaft immer angenehmer und erfreulicher, die Person um dich zu haben, die dich noch Monate zuvor zum Kauf eines Anrufbeantworters veranlasst hat, damit du bei Ertönen ihrer Stimme auf dem Band den Anruf nicht entgegennehmen musstest. Die Zeit der Schwangerschaft kann der Beginn einer wunderschönen Beziehung werden, denn Mamis kleines Mädchen wird ganz offiziell eine ihr ebenbürtige Frau. Auch du wirst jetzt Mutter eines Kindes. Manchmal wirst du darüber nachdenken, wie deine Mutter war, als du ein kleines Kind warst, wie sie mit dir umgegangen ist und was sie zu dir gesagt hat. In deinem hormonell aufgewühlten Zustand neigst du sowieso zur Sentimentalität und wirst dich vielleicht daran erinnern, wie deine Mutter an Ostern eine Spur aus Ostereiern legte, damit du glaubtest, der Osterhase sei da gewesen, oder wie sie dir nach jedem Zahnarztbesuch ein Eis spendierte -und plötzlich wirst du feuchte Augen bekommen (ein Zustand, der sich mit fortschreitender Schwangerschaft immer häufiger einstellt).

Oder das genaue Gegenteil tritt ein. Du erinnerst dich an alle rückständigen Erziehungsmethoden deiner Mutter, gegen die du dich als Kind aufgelehnt hast, und überlegst dir während der gesamten Schwangerschaft Strategien, um ja nicht so zu werden wie sie. Für einige meiner Freundinnen war es die reinste Horrorvorstellung, so zu werden wie ihre eigenen Mütter. Um dich zu beruhigen, lass dir sagen, dass du erstens immer die Wahl hast. Du kannst bestimmte Erziehungsmethoden, einschließlich die deiner Mutter, übernehmen, kannst sie aber auch verwerfen. Zweitens, und noch wichtiger, ist dieser Rat: Nimm dir jetzt während deiner Schwangerschaft die Zeit, deine Mutter besser kennen zu lernen, denn dein Verständnis für sie wird mit der Zeit wachsen. Vielleicht verstehst du jetzt, warum sie dich damals vor allen anderen bloßstellen musste, weil sie dich auf dem Rücksitz eines Motorrads erwischte. Stell dir vor, dein eigenes Kind würde auf dem Rücksitz einer Harley sitzen und der Fahrer wäre irgendein achtzehnjähriger Bursche - und du wirst ihre hysterische Reaktion nachvollziehen können.

Wenn deine Mutter nicht gerade eine Rabenmutter ist, wird sie immer fürsorglich um dein Wohlergehen besorgt sein (auch wenn die meisten ihrer Ratschläge zu Schwangerschaft und Geburt in den neunziger Jahren veraltet und unbrauchbar erscheinen). Wenn du meinst, das sei nur eine nette Geste, dann warte, bis das Baby geboren ist. Wahrscheinlich zählst du zu den vielen Glücklichen, deren Mutter das Baby genauso hebt, wie du es hebst. Das ist der Beginn einer der innigsten Bindungen, die es im Leben gibt. Männer gehen und kommen heutzutage, aber deine Mutter ist mit ihrer Liebe eine Konstante im Leben deines Kindes. Und vielleicht wird dir dann langsam klar, dass sie es bei deiner Erziehung doch nicht so schlecht gemacht hat, wie du dachtest. Natürlich nicht ganz so gut, wie du es machen wirst, aber so schlecht eben auch wieder nicht. Aus zwei Gründen habe ich jetzt soviel über unsere Mütter geschrieben: Erstens möchte ich die von uns, deren Mütter noch leben, dazu ermutigen, sie an ihrer Schwangerschaft teilhaben zu lassen. Für die von uns, deren Mutter bereits gestorben ist oder deren Mutterbeziehung so gestört ist, dass sie in neun Monaten nicht repariert werden kann, möchte ich zweitens ein gutes Wort für die Schwiegermütter einlegen. Denk daran, du erwartest das Baby ihres Babys, und unter Umständen ist sie jetzt genau die Frau der Stunde. Ignoriere einfach ihre Bemerkungen darüber, was du essen sollst und dass du nicht nach Dingen über deinem Kopf greifen darfst. (Es gibt diese alte, aber falsche Mär, wonach sich die Nabelschnur um den Hals des Babys wickelt, wenn du deinen Arm nach oben streckst, um nach etwas zu greifen.) Denk daran: diese Frau würde für dein Baby alles tun -SIE WIRD BEI BEDARF SOGAR BABYSITTEN. Auch wenn ihre Gefühle für dich nicht allzu innig sind, wird sie das Baby ihres Sohnes lieben. Und wenn du ihrem Enkelkind eine hebende Mutter bist, wird sie vielleicht auch lernen, dich zu lieben. Oder anders gesagt: Wenn eine Beziehung zwischen euch überhaupt je zustande kommen sollte, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür.

Es gibt nichts Beruhigenderes für eine Mutter, als zu wissen, dass jemand mit den gleichen Adleraugen nach ihrem Kind sieht, wie sie selbst es tun würde. Babysitter sind großartig, aber man kann nie sicher sein, ob sie bei einem Erdbeben auch das Kind mitnehmen, bevor sie aus dem Haus rennen und ihr eigenes Leben retten. Eine Oma würde nicht nur das Kind packen, sie würde auch das Album mit den Babyfotos und das Taufkleid der Familie retten (selbst wenn sie dich dabei umrennen müsste). Ich bin mir jedenfalls ganz sicher, dass meine Schwiegermutter entweder der unaufmerksamen Kindergärtnerin eine Ohrfeige verpassen oder den ganzen Kindergarten in Brand setzen würde, wenn meinem Kind im Kindergarten irgendeine Ungerechtigkeit widerfahren sollte (man muss allerdings dazu sagen, dass sie Sizilianerin ist).

Mein Rat in Bezug auf Mütter ist einfach: LASS SIE AN DEINER SCHWANGERSCHAFT TEILHABEN. Entgegen aller Erwartungen werden sie dir keineswegs ständig erzählen, was du alles falsch machst. Und wenn doch, versuch es zu überhören, denn niemand sonst wird dir so viel Anteilnahme und Interesse entgegenbringen.

Dein Vater

Es kann auch sehr schön sein, die Neuigkeit deinem Vater zu erzählen, auf jeden Fall aber wird es anders sein als bei deiner Mutter. Wenn dein Mann dabei ist, werden Papas Augen unter Umständen einen Moment lang bei deinem Mann verharren, als wollte er sagen: »Okay, du hast ihr das eingebrockt, also kümmere dich auch um sie, sonst kriegst du es mit mir zu tun.« Die meisten meiner Freundinnen stimmten mir bei, dass ihre Väter zwar glücklich waren, sie glücklich zu sehen, dass sie aber wie die meisten Männer nicht gleich wegen des Babys in totale Verzückung gerieten. Das passiert erst, wenn das Baby da ist. Stell es dir so vor: Manche Leute sehen ein Kleidungsstück auf dem Bügel hängen und wissen sofort, wie es angezogen aussehen wird. Andere dagegen müssen es erst eine Weile tragen, bevor sie wissen, wie es sich anfühlt. So ist es auch mit Babys: Die meisten Männer sehen sich erst dann als Vater oder Großvater, wenn sie den kleinen Schatz im Arm halten. Vielleicht wirst du feststellen, dass dein Vater nervös wird, wenn du dich mit deiner Mutter zu oft und zu plastisch über deine Schwangerschaft unterhältst. Denke daran, dass es seiner Rolle entspricht, argwöhnisch gegenüber allem zu sein, was dich verletzen könnte. Er ist der Mann, der dem Arzt am liebsten eine runtergehauen hätte, weil er dir bei einer Impfung wehtun musste. Dieses fremde Baby, das bei dir Übelkeit auslöst und das vielleicht vierzehn Stunden braucht, um aus deinem Körper zu kommen, wird ihn daher nicht zu großen Plänen und Tagträumen veranlassen (wie es bei dir und deiner Mutter der Fall ist).

Es gibt noch eine kleine Sache im Zusammenhang mit der Mitteilung, dass du schwanger bist: Du zeigst damit deinem Vater vielleicht zum ersten Mal in deinem Leben mutig, dass du nicht mehr Jungfrau bist. Ich weiß nicht, wie es bei dir ist, aber ich habe über dreißig Jahre lang gelebt, ohne meinem Vater gegenüber irgendeine Anspielung auf mein Sexualleben zu machen. Natürlich hatte er wahrscheinlich seine Vermutungen, besonders als ich während des Studiums zu meinem Freund zog, aber wir konnten immer noch so tun, als ob. Wenn du jedoch verkündest, dass du ein Baby bekommst, dann steht außer Frage, dass du ein sexuelles Leben hattest. Dein Vater wird nun zwangsläufig wissen wollen, wie das passieren konnte. Auch das könnte ein Grund dafür sein, dass sein Blick so schnell zu deinem Mann wechselt.

Der richtige Zeitpunkt

Einige Leute glauben, dass eine schwangere Frau ihren Zustand erst bekannt geben sollte, wenn die Gefahr einer Fehlgeburt vorbei ist, also etwa nach drei Monaten. Für eine gläubige Jüdin gibt es sogar die Regel, dass erst dann Babykleidung und -ausstattung im Haus sein darf, wenn das Baby gesund und munter auf der Welt ist, sonst könnte es verhext werden. Da ich weder Jüdin noch besonders zurückhaltend bin, habe ich immer allen Leuten von meiner Schwangerschaft erzählt, sobald ich davon wusste (allerdings hatte ich ab und zu schon ein komisches Gefühl, wenn ich Babysachen oder Spielzeug kaufte, bevor das Baby tatsächlich geboren war). Ich konnte ganz einfach ein solch großartiges Geheimnis nicht für mich behalten. Ich erinnere mich noch an ein Abendessen mit meiner Freundin Patti und einigen anderen Leuten, bei dem ich über meine Schwangerschaft redete und mich dabei so wichtig machte, als hätte ich diesen Zustand gerade erfunden. Ich genoss es ungeheuer, ganz im Mittelpunkt zu stehen, die Anteilnahme aller anderen zu spüren, die sich sorgten, ob ich auch genügend zu essen habe und der Stuhl bequem genug für mich ist. Zwei Monate später erzählte mir Patti, sie hätte an diesem Abend schon von ihrer Schwangerschaft gewusst, aber es den anderen erst erzählen wollen, als sie sicher sein konnte, dass die Schwangerschaft nicht durch eine Fehlgeburt beendet würde. Ich bin mir daraufhin etwas dämlich vorgekommen, weil ich die ganze Aufmerksamkeit auf mich gezogen habe, während Patti genauso viel Fürsorge und Glückwünsche verdient hätte. Aber wie meine Mutter sagt: »Werbung macht sich bezahlt.« Wenn du deinen engsten Freunden nichts von deiner Schwangerschaft erzählst, wie willst du dann erklären, dass du keine Energie mehr hast, um deine Sporttasche hochzuheben, geschweige denn, eine neunzigminütige Aerobic-Stunde mitzumachen? Wie willst du deiner liebenswürdigen Gastgeberin erklären, dass die Kapern, die sie phantasievoll im Salat verteilt hat, dir die Tränen in die Augen treiben und Krämpfe in der Speiseröhre verursachen? Und welche Entschuldigung willst du dir bei deinem Kollegen einfallen lassen, der dich im Büro schlafend vorgefunden hat (Kopf auf dem Schreibtisch und mit offenem Mund)? Du könntest es vielleicht mit dem Chronische-Müdigkeit-Syndrom versuchen, aber wie willst du deine neuen Fettpölsterchen erklären?

Eine schwangere Frau wird in Ruhe gelassen. Die Schwangerschaft ist eine allgemein akzeptierte Entschuldigung für alle möglichen, eigentlich unverzeihlichen Verhaltensweisen, so dass ich dir nur raten kann, so oft wie möglich davon zu sprechen. Aber ich will dich an dieser Stelle auch gleich warnen: DIESE ENTSCHULDIGUNG WIRD INNERHALB VON WENIGEN MONATEN IHRE MAGISCHE WIRKUNG BEI DEINEM MANN VERLIEREN, UND BEI DER ZWEITEN SCHWANGERSCHAFT ERREICHST DU DAMIT ÜBERHAUPT NICHTS MEHR. Dein Mann wird nur kurz von seinem Fußballspiel aufblicken und dir zusehen, wie du das Sofa quer durch den Raum ziehst, während jeder Fremde dir sofort sämtliche Einkaufstaschen abnimmt, sobald er sieht, dass du schwanger bist.

Natürlich gibt es einen guten Grund dafür, dass viele Frauen ihre Schwangerschaft geheim halten: Ungefähr zehn Prozent aller Schwangerschaften werden innerhalb der ersten zwölf Wochen durch eine Fehlgeburt beendet. Wenn dieses Unglück dich treffen sollte, würde es deinen Kummer zweifelsohne noch verschlimmern, wenn du ständig von dieser Tragödie erzählen müsstest. Bei einigen mir nahe stehenden Freundinnen konnte ich miterleben, wie sie sich gerade von den körperlichen Auswirkungen einer Fehlgeburt zu erholen begannen und dann ertragen mussten, dass alle, die davon nichts wussten, sich nach dem Baby erkundigten. Es war für alle Betroffenen äußerst schmerzvoll. Die einzige Lösung ist wohl, nur denjenigen davon zu erzählen, die sich sonst über dein merkwürdiges Verhalten wundern würden (beziehungsweise auch denen, die die Frechheit besitzen, dir zu einer Diät zu raten), und die Megaphone für die letzten Monate der Schwangerschaft aufzubewahren.

Fremde

Du wirst erstaunt sein, wie einfach du deine Schwangerschaft in jede Unterhaltung und bei jeder Gelegenheit einfließen lassen kannst. Wenn du ein umsichtiger Typ bist und dich während der ersten drei Monate in völliges Schweigen gehüllt hast, wirst du dich nach diesen drei Monaten nicht mehr zurückhalten können. Es ist wie Reis im Dampfkochtopf: Explodiert der Topf, fliegt der Reis überallhin. Du möchtest, dass die anderen besondere Rücksicht auf dich nehmen, dich zum Beispiel im Kino ganz vorne in die Schlange vor der Toilette lassen (was sehr viel nützlicher ist als ein Sitzplatz im Bus, besonders wenn du dein Popcorn mit viel Limonade hinunterspülst)? Erzähl einfach, dass du schwanger bist, und es wird hervorragend klappen. Am Anfang wirst du die anderen über deinen Zustand aufklären müssen, entweder weil sie keine besonders guten Beobachter sind oder weil sie zu viel Angst davor haben, dir zu einer Schwangerschaft zu gratulieren und dann zu erfahren, dass du nicht schwanger, sondern nur gefräßig bist. Tatsächlich ist es ratsam, eine Frau zu ihrer offensichtlichen Schwangerschaft erst dann zu beglückwünschen, wenn sie dir ihr positives Testergebnis gezeigt hat. Ist sie nämlich nicht schwanger, bist du ganz schön ins Fettnäpfchen getreten. Es kann nicht schaden, jedem von deinem außergewöhnlichen Zustand, genannt Schwangerschaft, zu erzählen (angefangen von der Kassiererin im Supermarkt bis hin zum Polizisten, der dich wegen Geschwindigkeitsüberschreitung anhält). Wer weiß, vielleicht findet sich ja jemand, der deine Einkaufstaschen schleppt - oder der Polizist gibt dir Geleitschutz bis zur nächsten sauberen öffentlichen Toilette. Zumindest wirst du ein nettes Lächeln und ein paar freundliche Worte ernten, was heutzutage keine Selbstverständlichkeit ist. Du musst natürlich immer damit rechnen, dass eine deiner Gesprächspartnerinnen bereits selbst ein Kind zur Welt gebracht hat und dir nun darüber einen endlosen Monolog hält. Tja, wir können nun mal nicht aus unserer Haut.

In Bezug auf Fremde können wir Freundinnen dir nur folgendes raten: ES KÖNNTE PASSIEREN, DASS SIE EINFACH DEINEN BAUCH ANFASSEN UND DICH VORHER NICHT UM ERLAUBNIS BITTEN. Wenn du glaubst, dass dich das stören würde, kannst du zum Schutz deine Arme vor dem Bauch verschränken. Du bist völlig im Recht, wenn du einen Schritt zurücktrittst und signalisierst, dass du nicht berührt werden willst. Die Leute sollen merken, dass man mit dir nicht alles machen kann. Im zweiten Drittel meiner Schwangerschaften habe ich mich mit meinem Bauch am wohlsten gefühlt und hatte nicht einmal so viel dagegen, berührt zu werden. Als mein Bauch jedoch gegen Ende überall Ecken zu haben schien und wie ein Heißluftballon nach vorne ragte, mochte ich Berührungen überhaupt nicht mehr, schon gar nicht von Fremden.

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* Bandleader im Tropicana Club in der in Amerika bis heute beliebten Fernsehserie, die in den fünfziger Jahren gesendet wurde.


      





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