Schwangerschaft ohne Probleme

Der Weg zur sanften Geburt

Fünfte & sechste Monat

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Willkommen, Gast · RSS 26.06.2017, 22:18


DIE ERSTEN NEUN MONATE DES LEBENS

Der fünfte und sechste Monat


Am Anfang des fünften Monats.


Im fünften Monat wird das Baby dreißig Zentimeter groß und fast ein Pfund schwer. Es nimmt um etwa fünf Zentimeter an Größe zu und um etwa dreihundert Gramm an Gewicht. In diesem Monat beginnt das Wachstum der Kopf- und Augenbrauenhaare, und an den noch geschlossenen Augenlidern erscheint ein erster Wimpernsaum. Einen Monat später können die Kopfhaare sogar schon voll ausgewachsen sein. Bei den Knaben entwickeln sich jetzt - ebenso wie bei den Mädchen - blasse Brustwarzen mit darunterliegenden Milchdrüsen und Milchgängen. Das Skelett verhärtet sich weitgehend. Auf den Nagelbetten der Finger - und etwas später auch der Zehen - entstehen feste Nägel. Im achten Monat werden die Nägel die Fingerspitzen erreichen. Bei der Geburt ragen sie möglicherweise schon darüber hinaus und müssen geschnitten werden.

Im fünften Monat wird der Herzschlag des Babys lauter. Wenn das Baby eine günstige Lage innehat, kann der Herzschlag am mütterlichen Abdomen gehört werden. Mit einem Stethoskop lässt er sich gut wahrnehmen. Bei Zwillingen kann der Arzt die Töne beider Herzen vernehmen. Die Muskulatur des Babys wird jetzt kräftiger, und weil es größer geworden ist, spürt die Mutter schließlich auch seine Bewegungen. Gewöhnlich bemerkt sie die erste Unruhe gegen Ende des vierten oder zu Anfang des fünften Monats. In sehr seltenen Fällen kann sie die Unruhe auch schon früher wahrnehmen, besonders wenn sie schlank ist. Bald gehen die Bewegungen in deutliches Stoßen und Drehen über. Wenn die Mutter gut aufpasst, kann sie die Hände von den Füßen und den Kopf vom Gesäß unterscheiden und zeitweilig auch eine Art Pochen wahrnehmen, etwa fünfzehn bis dreißig Stöße pro Minute. Das Baby hat dann einen Schluckauf. Babys können in der Gebärmutter einen Schluckauf haben, und dieser kann eine viertel oder gar eine halbe Stunde lang anhalten.

Das Baby schläft und erwacht etwa so oft wie ein Neugeborenes. Wenn es schläft, geht es immer in seine Lieblingsstellung, die man <Lage> nennt. Jedes Baby hat eine charakteristische Lage. Einige schlafen immer mit dem Kinn auf der Brust, während andere den Kopf zurückbeugen, bisweilen so weit wie nur irgend möglich. Wenn das Baby wach wird, bewegt es sich frei in der Flüssigkeit umher, wobei es sich seitwärts und manchmal auch kopfüber dreht. In diesem Alter liegt sein Kopf manchmal oben und manchmal unten. Es behält diese Gewohnheit bis zum neunten Monat bei, in dem es dann nicht mehr soviel Ellbogenfreiheit hat. Manchmal wird das Baby durch äußere Erschütterungen aus dem Schlaf geweckt. Es kann zum Beispiel, wenn die Mutter ein Bad nimmt, durch einen kräftigen Stoß an die Badewanne aufgeweckt werden. Auch ein lautes Konzert oder eine vibrierende Waschmaschine können das Baby wecken.

Das Baby am Anfang des fünften Monats in natürlicher Größe.


Im sechsten Monat wächst das Baby um weitere fünf Zentimeter und wird fünfunddreißig Zentimeter groß. Es setzt jetzt auch etwas Fett unter der Haut an und erreicht ein Gewicht von achthundert Gramm. In diesem Monat entwickeln sich oben im Gaumen, hinter den Milchzähnen, die Zahnknospen des Dauergebisses. Jetzt werden auch die Lider beweglich, und das Baby kann die Augen öffnen und schließen und nach oben, unten und zur Seite sehen. Es bekommt einen so festen Griff, dass es schon fast sein eigenes Gewicht zu heben vermag. Von großer Wichtigkeit - für den Fall einer Frühgeburt - ist, dass das Baby im sechsten Monat schon etwa vierundzwanzig Stunden lang eine reguläre Atmung aufrechterhalten kann. Im Brutkasten hat es sogar die Möglichkeit, zu überleben. In einigen Fällen sind schon Babys am Leben geblieben, die nur dreiundzwanzig oder vierundzwanzig Wochen alt waren und knapp ein Pfund wogen. Zumeist aber sind die Atemfunktionen - und auch die Verdauungsfunktionen - noch zu wenig ausgebildet, um die ihnen zufallenden Aufgaben voll zu übernehmen.

Wenn das Baby so früh geboren wird, ist es noch sehr klein und kommt daher auch leicht zur Welt. Oft ist es dann noch vom Amnion umhüllt, so wie das Baby auf Seite 77. Das Amnion ist zäh und etwas dehnbar. Die Wandung ist durchsichtig und kaum stärker als das Papier dieses Buches. Das Amnion hat einen natürlichen silbrigen Schimmer; es ist ein lebendes Gewebe und besteht aus einer einzigen Schicht von Hautzellen. Wenn das Baby wächst, fügt das Amnion neue Zellen hinzu und wächst ebenfalls. Das Amnion ist eine geschlossene Blase, die mit einer wasserdichten Durchtrittsöffnung für die Nabelschnur versehen ist.

Filmaufnahmen, die zu Beginn des sechsten Monats gemacht wurden, zeigen, dass das Baby schreien, saugen und eine Faust machen kann. Seine Verhaltensweise ist erstaunlich weit entwickelt. Es stößt mit den Füßen, und die Stöße werden jetzt von der Mutter deutlich wahrgenommen. Das Baby ist aber noch so klein, dass es ausreichend Platz findet, in der Gebärmutter Purzelbäume zu schlagen.


Obgleich das Amnion wasserdicht ist und keine Flüssigkeit austreten lässt, ist die Amnionflüssigkeit doch keineswegs ein stehendes Gewässer. Vielmehr wird - wie in den letzten Jahren festgestellt werden konnte - stündlich etwa ein Drittel des Volumens entnommen und wieder ersetzt. Das entspricht einem täglichen Wechsel von vielen Litern! Woher kommt diese Flüssigkeit und wohin geht sie? Wir kennen die volle Antwort noch nicht. Die Hauptquellen der Flüssigkeitszufuhr dürften aber die Lungen und Nieren des Babys sein. Man hat festgestellt, dass die Lungen- und Nierengewebe normalerweise eine beträchtliche Flüssigkeitsmenge abgeben. Eine zweite Quelle ist das Amnion selbst. Die lebenden Zellen dieser Haut produzieren ebenfalls etwas Flüssigkeit. Weiter dringen Wasser-, Salz- und Zuckermoleküle vom Uterus durch die Amnionhaut in die Fruchtblase ein.

Auf diesen Filmaufnahmen kann man deutlich sehen, wie lebhaft ein Baby im 6. Monat ist.


Über den eigentlichen Austrittsort der Flüssigkeit herrscht noch Unklarheit. Eine gewisse - und vielleicht gar nicht einmal geringe Menge wird vermutlich vom Baby selber aufgenommen und verbraucht. Im fünften Monat enthält die Fruchtblase etwas mehr als ein Liter Flüssigkeit. Die Menge bleibt bis zum siebten Monat etwa gleich. Dann reduziert sie sich auf etwa die Hälfte und lässt dadurch dem größer gewordenen Baby mehr Raum. Die Flüssigkeitsmenge bleibt dann bis zur Geburt konstant.

Dieses Baby, das zu früh im fünften Monat geboren wurde, kann sich frei in einer temperierten Flüssigkeit bewegen, die etwa den Verhältnissen in der Gebärmutter entspricht, obwohl es noch sehr klein ist im Vergleich mit der Hand eines Erwachsenen.

Das Amnionwasser hat auch entwicklungsgeschichtliche Bedeutung. In ihm vollzieht sich für die höheren Lebewesen der Übergang vom Meer zum Land. Anfangs ist das Amnionwasser ein Schutz für den fragilen Embryo; später polstert es das Baby gegen Stöße ab und sorgt für eine gleichmäßige Körpertemperatur. Durch das Amnionwasser wird das Baby außerdem getragen, so dass es praktisch gewichtlos ist und sich leicht bewegen kann. Es kann jetzt so umherrollen, wie ihm dies erst einige Monate nach der Geburt in der Wiege wieder möglich ist. Aber der lange Unterwasseraufenthalt könnte der Haut schädlich werden. Das Baby ist dagegen durch eine dicke weißliche Krem geschützt, die von der Haut selber gebildet wird und sie wie die Fettschicht eines Kanalschwimmers bedeckt. Diese Krem wird Vernix genannt (lateinisch: Firnis).

In diesen beiden Monaten erscheint auf der Haut - insbesondere an Armen, Beinen und Rücken — ein feiner wolliger Flaum, der Lanugo genannt wird (lateinisch: Wolle). Die meisten Lanugohaare fallen noch vor der Geburt wieder ab. Es kann sich um eine entwicklungsgeschichtliche Reminiszenz an felltragende Ahnen handeln. Noch zwei andere Merkmale treten jetzt in Erscheinung, die ebenfalls an prähominide Entwicklungsstufen erinnern : die auf der Zunge und an den Innenseiten der Wangen entstehenden Geschmacksknospen sind so zahlreich, wie man es sonst nur bei einigen Tierarten findet. Beim Menschen geht ihre Zahl bis zur Geburt wieder zurück und nimmt auch nicht mehr zu. Der Griff des Babys ist das andere seltsame Merkmal: im sechsten und siebten Monat ist er kräftiger als kurz nach der Geburt. Wenn das Baby jedoch an der Brust genährt wird, dann wird der Griff wieder kräftiger und bleibt auch länger so. Das scheint darauf hinzudeuten, daß das Baby instinktiv den gleichen Griff entwickelt wie ein Affe, der sich ja beim Saugen am Fell der Mutter festhalten muss.

Das Baby hat nach sechs Monaten zwei Drittel seines Aufenthaltes in der Gebärmutter abgeschlossen. Während der nächsten drei Monate erwirbt es zunehmend die Fähigkeit, ohne eine so enge Verbindung mit seiner Mutter zu leben.



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