Schwangerschaft ohne Probleme

Der Weg zur sanften Geburt

Gefühle, Ängste und Launen (Fortsetzung)

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Willkommen, Gast · RSS 22.10.2017, 18:56


Gefühle, Ängste und Launen
(Fortsetzung)

Die Angst, hässlich zu werden

Es gibt Frauen, wie zum Beispiel meine Freundin Shirley, die noch nie so schön und glücklich waren wie in der Schwangerschaft. Sie fühlen sich als Frauen erfüllt, strotzen vor Gesundheit und genießen ihre rundlichen, reifen Formen. Ich kann nur wiederholen: »Freut mich wirklich für sie.« Vielleicht habe ich mich einfach von meiner Rolle als Frau und reproduzierendes Wesen entfremdet, aber ich fand die Veränderungen meines Äußeren zeitweise - milde gesagt - störend, manchmal sogar regelrecht erschreckend. Es ist nicht so, dass ich mir schwangere Frauen ansehe und sie unattraktiv finde. Ich finde ganz im Gegenteil andere Schwangere hinreißend. Nur mir selbst fällt es manchmal schwer, meine eigenen schwangeren Dimensionen mit den Klamotten in Größe 38 in meinem Schrank in Einklang zu bringen.

Außerdem habe ich mich oft gefragt, ob mein Mann mich noch sexy findet, beziehungsweise - ebenso wichtig -, ob ich selbst mich noch sexy finde. Die ehrliche Antwort auf beide dieser Fragen ist nein. Ich könnte aber mindestens ebenso viele

Freundinnen und Männer aufzählen, die die Schwangerschaftsfülle erotisch finden, wie solche, die das Gegenteil behaupten. (Mehr zu diesem Thema im Kapitel »Sex und Schwangerschaft«.)

Ich weiß, wie langweilig und abgedroschen es ist, unsere Gesellschaft wegen ihres Schlankheitskultes zu verdammen, aber es lässt sich nicht bestreiten, dass eine schwangere Frau in einer solchen Gesellschaft Identitätsprobleme bekommen kann. Sie wird sich fragen, ob sie ihren Rang als Geliebte verliert, weil sie Mutter wird. Was alles noch schlimmer macht, sind die Kleider, die in den meisten Geschäften für Umstandsmode angeboten werden und mit denen man höchstens einen Clown einkleiden oder eine Stewardess passend anziehen könnte. Jede schwangere Frau betet inbrünstig, dass sie nach der Geburt des Babys wieder ihr früheres Selbst zurückerhält. Aber in dieser Hinsicht sind die Botschaften, die die Gesellschaft aussendet, leider doppeldeutig.

Einerseits denkst du, wenn du Frauen wie Vanna White* siehst, deren frühere Schönheit schon Minuten nach der Geburt wiederhergestellt ist, dass man genau das auch von dir erwartet. Andererseits ist immer wieder zu hören: »Sie sieht so gut aus... dafür, dass sie vier Kinder hat.« Als gäben Kinder einem das Recht, etwas weniger perfekt zu sein. Ich muss jedoch gestehen, dass ich jedes Kompliment, wie ungeschickt es auch sein mag, dankbar entgegennehme.

Die Angst, wie die eigene Mutter zu werden

Es ist schon unheimlich genug, sich von einem süßen, jungen Ding in eine MUTTER zu verwandeln, aber noch unheimlicher ist der Gedanke, dass man werden könnte wie die eigene Mutter. Jede von uns kennt das: Bei einem Blick in den Spiegel bemerken wir plötzlich, dass wir anfangen, unserer Mutter zu ähneln. Ob es nun der Zug um die Mundwinkel oder die beim Lächeln erscheinenden Falten um die Augen sind - wir erkennen etwas in unserem Gesicht, das uns an unsere Mutter erinnert.

Bei schwangeren Frauen kann diese Entdeckung zu einer ausgewachsenen Panikattacke führen. Wirst du jetzt auch so herrisch, überkritisch, starrsinnig und ängstlich, wie du deine Mutter immer eingeschätzt hast? Du bist dir ganz sicher, dass die Mutter, die du kennst, niemals etwas Verrücktes oder Spontanes getan hat, niemals Sex in einem Whirlpool hatte und niemals von einer Affäre mit Mel Gibson geträumt hat. (Sollte sie es doch getan haben, willst du kein Wort davon hören.) Die Angst davor, sich von Holly Golightly in June Cleaver zu verwandeln, ist einfach zu groß -man möchte lieber gar nicht darüber nachdenken.

Während jedoch die Liebe zu deinem Baby in dir immer größer wird, wirst du auch immer besser verstehen können, wie sehr deine Mutter dich geliebt haben muss. Du wirst verstehen, warum sie nicht anders kann, als sich in dein Leben einzumischen, und hyperwachsam ist, wenn es um dein Wohlergehen geht. Warte, bis das Baby zwei, drei Jahre alt ist und du dich selbst schreien hörst: »Geh von da oben runter, du brichst dir ja noch das Genick!« Genauso hat deine Mutter immer geschrien. Mir jedenfalls ging ein Licht auf, als ich mich dabei erwischte, wie ich auf ein Taschentuch spuckte, um das Gesicht meiner Tochter abzuwischen, bevor sie zu einer Geburtstagsparty ging.

Die Angst, zur Mutter deines Mannes zu werden

Diese Verwandlung ist nicht so wörtlich zu verstehen, wie ich es oben bei der Verwandlung in deine eigene Mutter beschrieben habe. Ich spreche nicht von der Angst, dass du zum Ebenbild deiner Schwiegermutter werden könntest. Ich spreche vielmehr davon, dass du von der Geliebten und Freundin deines Mannes zu seiner asexuellen Betreuerin wirst. Weil wir so entschlossen sind, das Bemuttern zu erlernen, noch bevor uns das Baby in den Schoß fällt, kann es passieren, dass wir uns mehr und mehr verhalten wie die Mütter, mit denen wir aufgewachsen sind - oder noch schlimmer, wie die Mütter unserer Männer. Du weißt, dass es so weit ist, wenn du deinem Mann rätst, seine Jacke mitzunehmen, damit er sich nicht erkältet, oder wenn du für ihn die Zahnarzttermine ausmachst.

Diese Veränderung geht meist nicht einseitig von dir aus, sondern erfolgt in Kooperation mit deinem Mann. Denn wer mag es nicht, wenn ihn jemand bemuttert? Zwar sagen die meisten Männer, dass ihre Mutter sie verrückt macht, mögen es aber trotzdem, wenn sie hingebungsvoll für sie sorgt. Du weißt, was ich meine: Sie wollen Heiligabend das gleiche Essen, das auch schon ihre Mutter zubereitet hat, wollen, dass die Hemden im Schrank wie bei Muttern mit den Knöpfen nach links hängen und dass man ihnen ein Bett auf der Couch baut, wenn sie krank sind, so wie Du-weißt-schon-wer es immer gemacht hat. Männer ermutigen dich zu diesem Bemuttern nicht nur, weil sie selbst manchmal gerne Baby sein möchten, sondern auch deshalb, weil sie ebenfalls vor der bevorstehenden Elternschaft Schiss haben. Und das einzige Vorbild für eine Mutter, das sie kennen, ist ihre eigene. Es ist erstaunlich, wie viele Männer sich jetzt, wo das Baby unterwegs ist, Gedanken darüber machen, ob ihre Frau ordentlich und organisiert genug ist.

Noch schlimmer wird es allerdings, wenn du nicht mit den verklärten Maßstäben der Mutterschaft Schritt halten musst, die dein Mann die letzten zwanzig Jahre über gehegt und gepflegt hat, sondern mit seiner ersten Frau verglichen wirst. Dagegen musst du wirklich einschreiten. Mir ist es völlig egal (und dir sollte es genauso egal sein), ob seine erste Frau die Weihnachtskarten schon Mitte November losgeschickt hat und ob sie Apfelstrudel backen konnte oder nicht - sie ist kein Vorbild für mich. Wenn sie es wäre, würde ihr Name noch an der Tür stehen. Oder?

Die Angst, in der Schwangerschaft etwas falsch zu machen

Unser allgegenwärtiger Wunsch, perfekt zu sein, und der biologische Imperativ, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um das ungeborene Kind vor den oben beschriebenen Missgeschicken zu bewahren, haben dazu geführt, dass bestimmte Regeln für das richtige Verhalten schwangerer Frauen aufgestellt wurden. Sollten diese Regeln individuell für dich zwischen dir und einem Arzt ausgehandelt worden sein, kann ich dies nur begrüßen. Leider führt jedoch unsere Unerfahrenheit und Unsicherheit dazu, dass wir eine Litanei von Regeln übernehmen, die nicht nur unnötig und lästig sind, sondern garantiert jeder von uns ein Gefühl von Unzulänglichkeit geben.

Sollten deine eigene Selbstdisziplin und deine Schuldgefühle nicht ausreichen, damit du auf dem Pfad zur perfekten Schwangerschaft bleibst, wirst du bald merken, dass die Welt voller verantwortlicher Menschen ist, die meinen, deine Leistung beurteilen zu müssen. Wir Freundinnen haben diese ach-so-hilfreichen Leute »Schwangerschaftshüter« getauft. Nur etwas hasse ich mehr als Schwangerschaftshüter - und das ist ein männlicher Schwangerschaftshüter (warum sollte jemand ohne Gebärmutter oder zumindest ohne Facharztzeugnis in dieser Welt für sich das Recht beanspruchen, einer schwangeren Frau vorzuschreiben, wie sie ihr Leben zu führen hat?).

Die Schwangerschaftshüter kommen aus derselben Schule wie diese völlig Fremden, die sich bei einer zufälligen Begegnung im Supermarkt erlauben, deinen Bauch zu tätscheln. Man kann sich darauf verlassen, dass sie immer allen möglichen Quatsch auf Lager haben. Sie wissen von Frauen zu berichten, die fünfzig Stunden lang in den Wehen lagen und dann einen Notkaiserschnitt benötigten, weil sich die Nabelschnur um den Hals des Kindes gelegt hatte oder dergleichen Horrorgeschichten. Natürlich haben sie auch eine Erklärung für diese Krise parat, bei der unweigerlich ein Teil der Schuld bei der Mutter hegt. Entweder hat sie auf dem Rücken geschlafen, wo sie sich doch besser auf die linke Seite hätte legen sollen, oder hat für den Geschmack der SHs die Periduralanästhesie zu früh genommen oder was dergleichen Bockmist mehr ist. Es löst in den Schwangerschaftshütern ein Gefühl absoluter Befriedigung aus, wenn sie arglosen schwangeren Frauen erzählen können, dass sie ihre Mikrowelle zum Sondermüll bringen sollen, in ihrer Matratze giftiger Formaldehyd verborgen ist, Erdnussbutter beim Baby Krebs hervorrufen kann und Diätlimonade ungefähr so schädhch ist wie ein Schuss Heroin. Je gestresster die werdende Mutter wird, desto erfüllter fühlen sich die SHs. Man könnte schwören, dass sie perfekte Wehen und Geburten und makellose Kinder gehabt haben müssen, um nun alles Recht dieser Welt zu haben, dich auf deine Fehler hinzuweisen. Leider ist nichts davon wahr. Es ist wie bei dem Kinderpsychologen, der neben uns wohnte, als ich klein war. Er gab in seinem Arbeitszimmer per Telefon Tipps zur Kindererziehung, während seine Zwillinge die Wohnzimmervorhänge in Brand setzten.

Eine meiner Freundinnen erinnert sich an einen Friseurbesuch, bei dem sie sich den Haaransatz neu färben lassen wollte und eine völlig Fremde mit besorgter Miene auf sie zukam und fragte: »Wissen Sie denn nicht, dass Sie in Ihrem Zustand keine Chemikalien auf die Haare tun dürfen?« Meine Freundin, deren halber Kopf bereits mit Färbemittel versehen und in Aluminiumfolie eingewickelt war, wurde innerlich sofort panisch. Sie beendete das Färben und verließ den Salon den Tränen nahe, weil sie befürchtete, ihrem geliebten Baby unwissentlich Schaden zugefügt zu haben. Die Sache mit dem Haarefärben solltest du mit deinem Arzt besprechen und dann deine eigene Entscheidung treffen.

Ich kann dazu nur sagen, dass die Babys in meinem Bauch meine Haarfärbeaktionen aushalten mussten und keine ersichtlichen Schäden davongetragen haben. Außerdem vertrete ich folgende Theorie: Wenn ich während meiner Schwangerschaften meine Haare nicht gefärbt hätte und mein natürlicher braun-grauer Farbton zum Vorschein gekommen wäre, hätte ich meinen Kindern zwar den indirekten Kontakt mit Chemikalien erspart, aber sie hätten wahrscheinlich ohne Vater aufwachsen müssen, weil der mich nach den ersten herausgewachsenen Zentimetern meines »wahren Ichs« verlassen hätte. Sie wären dann zwar dem Risiko einer körperlichen Schädigung entgangen, wahrscheinlich aber psycho-sozialen Schädigungen durch ihre verrückt gewordene Mutter ausgesetzt gewesen.

Wenn dir die Geschichte von dem Friseurbesuch zu extrem erscheint, dann warte nur, bis du bei einer Party oder in einem Restaurant Bekanntschaft mit den Schwangerschaftshütern machst. Gott schütze dich, wenn du zu deinem Menü ein Glas Wein trinken oder wie alle anderen ein Glas Sekt zum Toast erheben solltest - selbst die notariell beglaubigte Erlaubnis deines Arztes wird dir dann nichts nützen. Die SHs werden dir entweder vernichtende Blicke zuwerfen oder direkt auf dich zukommen und dir eine Lektion über Alkohol-Embryopathie erteilen. Keine von uns Freundinnen hat während der gesamten neun Monate mehr als vier, fünf Gläser Wein oder Sekt getrunken, aber fast jede von uns musste sich mindestens einmal einem völlig Fremden gegenüber verteidigen, weil sie sich ein Gläschen genehmigt hatte. Natürlich haben Ärzte ihre eigene Meinung darüber, ob Frauen während der Schwangerschaft Alkohol trinken dürfen oder nicht. Und auch ich will das Trinken weder befürworten noch verdammen. Ich sage nur, dass die Schwangerschaft hart genug ist. Wenn man nur einmal an das gesellschaftliche Stigma denkt, das heißen Bädern, Aspirin, Kaffee und Süßstoff anhaftet, an dein eigenes eingeschränktes Sexualleben und deine absurden Körperproportionen - scheint ein Drink alle paar Monate absolut zulässig, wenn nicht gar regelrecht verdient. Aber ich bin natürlich kein Arzt. Das Leben ist eine Aneinanderreihung kalkulierter Risiken, und du solltest daher zusammen mit deinem Arzt die Verhaltensmaßregeln aufstellen, die gut für das Baby und erträglich für die Mutter sind.

Ein weiterer beliebter Treff der Schwangerschaftshüter sind Flughäfen. Sie versammeln sich dort in der Nähe der Sicherheitskontrollen und weisen dich darauf hin, dass du dein Baby nuklear verseuchst, solltest du durch die Röntgenkontrolle gehen. Gegen diese Bedenken habe ich absolut nichts einzuwenden, allerdings aus persönlichen Gründen und nicht weil ich einen Beweis dafür gefunden hätte, dass diese Art der Strahlung für ein ungeborenes Baby tatsächlich schädlich ist. Ich habe bei diesen Sicherheits-Checks immer ein ziemliches Theater gemacht, sodass ich schließlich nicht durchgehen musste und per Hand von einer Sicherheitsbeamtin überprüft wurde. Nicht dass mir dieses Abtatschen besonders gefallen hätte, aber ich wurde meist vorgezogen und musste mich nicht mehr in die Schlange der Wartenden einreihen. Für jemanden, der chronisch zu spät zu seinem Flug kommt, können das die entscheidenden zehn Minuten sein. Da wir gerade beim Thema Fliegen sind: Du solltest dich immer bei der jeweiligen Fluggesellschaft erkundigen, bis zu welchem Monat du noch mitfliegen darfst und ab wann du »zu schwanger« bist. Du weißt ja, wie sich Stewardessen bei einer Geburt an Bord anstellen. (Und zu allem Überfluss müs-stest du deinem Kind auch noch den Namen des Flughafens geben.)

Die Angst, eine schiechte Mutter zu sein

Diese Angst kann zwei Gründe haben: Entweder war deine Mutter eine außergewöhnlich liebevolle, geduldige und selbstlose Mutter und dir ist klar, dass du niemals so gut werden wirst wie sie. Oder deine Mutter war selbstsüchtig, nachlässig und reserviert, und du befürchtest, dass du genetisch vorbelastet bist und auch so wirst wie sie. Wie so oft beim Thema Schwangerschaft scheint es kaum einen Mittelweg zu geben. Wir Freundinnen können beim besten Willen nicht vorhersehen, wie du als Mutter sein wirst (allerdings haben wir alles Vertrauen der Welt in deine mütterlichen Instinkte). Wir alle haben jedoch festgestellt, dass die Schwangerschaft die richtige Zeit ist, um ungeregelte Angelegenheiten mit der eigenen Mutter in Ordnung zu bringen, um sie mit dem Auge einer Erwachsenen anzusehen und sie als Frau zu erkennen, die dieselben Bedürfnisse, Unsicherheiten und Hoffnungen hatte, die du jetzt hast. Du wirst deiner Mutter vielleicht in vielem ähneln, aber du bist nicht deine Mutter. Du hast die Gelegenheit deine Kindheit zu beurteilen und die Dinge auszuwählen, die du deinem Kind mitgeben beziehungsweise ihm ersparen willst. Mutter zu sein, lernt man erst durch die Praxis. Du hast neun (zehn) Monate, um dich etwas darauf vorzubereiten, wirst aber erst richtig verstehen, was es bedeutet, wenn du das Kind aus dem Krankenhaus mit nach Hause genommen hast. Es wird ein Liebesverhältnis werden, aber ob e s Liebe auf den ersten Blick ist oder sich erst nach und nach entwickelt, ist von Mutter zu Mutter unterschiedlich. Und wie gut du als Mutter warst, wirst du erst wissen, wenn dein Kind dir spannende und gebildete Briefe von seinem Job als UNO-Friedenssoldat schreibt oder dir Postkarten von seinem Abenteurerleben schickt. Du musst einfach im Voraus heben und das Beste hoffen - und kommst dabei möglicherweise nach und nach zu der unangenehmen Erkenntnis, dass diese unbeschreiblich«; Liebe, die du für dein Baby empfindest, ähnlich der ist, die deine Mutter für dich empfunden hat.

Die Angst vor den Wehen und der Geburt

Die größte Angst habe ich für den Schluss aufgehoben. Für eine schwangere Frau, die ihr erstes Kind zur Welt bringt, ist (lies die Quelle aller Ängste. Zunächst ist die Angst vor den Wehen und der Geburt einfach nur die Angst vor Schmerzen. Du hast keinen Zweifel, dass es wehtun wird. Auch wenn du nur rudimentäre Kenntnisse von Anatomie hast, kannst du dir vorstellen, dass nicht so einfach eine Wassermelone durch die Gänge deiner Vagina passen wird, щ bisher höchstens ein supergroßer Tampon oder ein von der Natur gut ausgestatteter Penis Platz finden musste. Aber du hast keine Ahnung, wie weh es tun wird. Mehr als das Entfernen von Haaren an der Bikinilinie? Mehr als ein gebrochenes Bein? Mehr als eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt? Wenn du dir (seit dem Tag, an dem du anderen von deiner Schwangerschaft erzählst) die Geburtsgeschichte jeder Frau, die dir jemals begegnet ist, angehört hast, wirst du zusätzlich noch befürchten, du könntest dich wie ein Feigling anstellen. Du last Angst, dass du nicht fest genug pressen kannst, um das Baby herauszubekommen; Angst, dass beim Pressen nicht das Baby, sondern dein Stuhl herauskommt; Angst, dass du bewusstlos wirst oder weinen musst, wenn sie dir eine intravenöse Spritze geben, oder dass du aus welchem Grund auch immer bewusstlos wirst oder Veinen musst; Angst, dass die Periduralanästhesie schmerzhafter ist als die Wehen; Angst, dass der Anästhesist sein Ziel verfehlt und du für den Rest deines Lebens gelähmt bist. Wir wollen jetzt nicht die Wehen und die Geburt in allen Einzelheiten durchsprechen (dem ist später ein ganzes Kapitel gewidmet), sondern darüber diskutieren, was unserer Meinung nach der eigentliche Grund für die Angst vor den Wehen und der Geburt ist.

Schrecklich wird die ganze Sache vor allem dadurch, dass du in einer so verletzbaren Position bist. Du hegst mit gespreizten Beinen und voller Schmerzen da, und das Wesen, das mit aller Gewalt herauskommen will, ängstigt dich. UND NIEMAND UNTERNIMMT ETWAS, UM DICH ZU RETTEN! Man kann sich vorstellen, was es für ein Gefühl sein muss, ins Krankenhaus zu wanken mit der vagen Vorstellung, die Herausforderung seines Lebens bestehen zu müssen, und dabei nur mit so jämmerlichen Hilfsmitteln wie der Atemmethode nach Lamaze, einer Kassette mit Entspannungsmusik und einem ungeschickten Mann ausgestattet zu sein. Du wagst es gar licht, an andere Hilfsmittel zu denken, weil die Schwangerschaftshüter dieser Welt (besonders die Besserwisser in deinem Geburtsvorbereitungskurs) dir gesagt haben, dass du etwas falsch machst, wenn du von diesen Vorschriften abweichst. Ihnen möchte ich entgegenhalten, dass dies der größte Mist ist, den man verzapfen kann! Das einzige Ziel von Wehen und Geburt sind eine gesunde Mutter und ein gesundes Baby, und es ist völlig unwichtig, wie dieses Ziel erreicht wird.

Wir Freundinnen wollen dir ein Geheimnis verraten: ES GIBT NACH DER GEBURT KEINE SIEGERPRÄMIE FÜR DIE, DIE SICH AM BESTEN ANGESTELLT HAT! Sie wird nicht über den Lautsprecher ausgerufen. Und die Mütter, die ihr Kind ohne Schmerzmittel, ohne Schreie und ohne Sauerei auf dem Geburtsbett zur Welt gebracht haben, erhalten keine Medaille. Erstens gäbe es ohnehin nur wenige Siegerinnen, und zweitens würden sie von den restlichen Müttern mit Hämorrhoidenkissen beworfen werden.

Und hier ist die Wahrheit: Die Periduralanästhesie ist eine großartige Erfindung. Mit einem Kaiserschnitt kann Leben gerettet und unnötiges Leiden verhindert werden. Es gibt keine zweitklassige Geburt. Die Bereitschaft, zu leiden oder sich und das Baby (besonders bei Müdigkeit oder Panik) in Gefahr zu bringen, hat nichts mit Heldentum zu tun, sondern ist nur ein Zeichen dafür, dass du nicht mehr richtig urteilen kannst.

Du hast die Wahl und kannst dich entweder auf ein Nagel- oder auf ein Federbett legen, um dein Kind zur Welt zu bringen. Ganz egal, wie du dich entscheidest, weder dein Arzt noch die Hebamme, noch das Baby werden besser von dir denken, weil du das Leiden gewählt hast - und fälschlicherweise dachtest, das sei besser für dein Kind. Du kannst uns glauben: Dein Mann wird dich mindestens achtundvierzig Stunden lang für eine Göttin halten, weil du all das auf dich genommen hast, um sein Kind zu gebären - und zwar unabhängig davon, ob du Schmerzmittel genommen hast oder nicht.

Denke daran: Die von uns, die sich einen kleinen Schuss aus der Peridural-Spritze genehmigt haben, können meistens nach der Geburt an der Feier in ihrem Zimmer teilnehmen und einen Schluck Sekt trinken, während die vorsintflutlicher Eingestellten geplatzte Äderchen auf den Backen haben und fest schlafen. Ein letzter Rat zu Angst und Sorgen: Du musst lernen, damit umzugehen, denn die Sorgen werden so schnell kein Ende nehmen. Auch wenn du jetzt nach neun (zehn) Monaten der Aufregung dein Kind froh und glücklich in den Armen hältst - du bist erst in der Aufwärmphase für alle möglichen ernsthaften Sorgen. Du wirst dich fragen: »Bekommt es genug zu essen?« Oder: »Isst es zu viel und wird zu dick?« Später wirst du dich beunruhigen, ob dein Kind von allen anderen aus der Mutter-Kind-Gruppe als letztes sauber sein oder ob es Freunde finden wird. Wenn es schließlich noch älter ist und viele Freunde gefunden hat (und ordentlich auf den Topf geht), wirst du dich fragen, ob diese Freunde einen guten Einfluss auf dein Kind haben - oder ob sie Drogen nehmen oder kriminell sind. Dazu kommt schließlich die erbärmliche Angst, die alle Eltern haben, wenn ihre Kinder den Führerschein bekommen und auf die Straßen losgelassen werden. Jetzt kannst du dir vielleicht vorstellen, warum deine eigenen Eltern die meiste Zeit über so besorgt geschaut haben. Aber ich schweife vom Thema ab...

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* Dreht seit Anfang der 80er-Jahre das Buchstabenrad in der Spiel-Show Wheel of Fortune (Glücksrad).

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