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Willkommen, Gast · RSS 26.06.2017, 03:49


Postnatale Ängste

Es ist schockierend, aber irgendwann wird man dir im Krankenhaus ein hilfloses, zerbrechliches und bedürftiges Bündel aushändigen. Nun seid ihr, du und dein Mann, also zu dritt. Mit weniger Starthilfe, als du für das Einsetzen deines Diaphragmas erhältst, erwartet man nun, dass du nach Hause gehst und diesen Winzling bis ins Erwachsenenalter großziehst. (Wenn du bei diesen Aussichten keine Angst bekommst, hast du kein besonders ausgeprägtes Vorstellungsvermögen.) So allein du dich in diesem Moment auch fühlen magst - deine Ängste sind nicht neu. Seit der Mensch die Fähigkeit zu neurotischem Verhalten hat, haben wahrscheinlich die meisten Frauen diese Ängste durchgemacht. Und solltest du keinerlei Befürchtungen haben, dann setze dich nur ein einziges Mal tagsüber vor den Fernsehapparat: Du wirst keine Talk-Show und kein Nachrichtenmagazin ohne das Problem-Thema Kind finden. Im Folgenden die häufigsten Ängste junger Mütter:

»Ich breche dem Baby das Genick!«

Da wir so oft gehört haben, dass Neugeborene ihren Kopf nicht halten können, haben wir ständig Angst davor, ihnen das Genick zu brechen. Bis jetzt habe ich bei meinen vielfältigen Recherchen noch nie gehört, dass eine Mutter versehentlich ihr Baby verletzt hat, weil sie seinen Kopf hat fallen lassen. Es stimmt allerdings, dass man das Baby mit zwei Händen halten sollte, weil es oft unerwartet seinen Kopf bewegt. Wenn man gerade nicht aufpasst, kugelt er vielleicht nach hinten. Am unsichersten ist man anfangs beim Anziehen oder Baden, denn der Kopf eines Neugeborenen ist mindestens so schwer wie alle seine restlichen Körperteile zusammen.

Zu der Befürchtung »Ich breche dem Baby das Genick!« kommt noch die weitere Befürchtung »Ich werde seinen Kopf verletzen!«. Der Kopf eines Neugeborenen ist sehr weich, da die Schädelknochen erst noch zusammenwachsen müssen. Du wirst sicher besonders behutsam mit dieser Stelle umgehen, aber die Kinder deiner Freundinnen oder ältere Geschwister tätscheln dem Baby bestimmt auch einmal unsanft und mit schmutzigen Pfoten den Kopf - wenn sie ihm nicht gar mit einem Stück Holz darauf hauen. Warte nicht, bis es deinen Freundinnen auffällt und sie ihre Lieblinge zurückrufen, sondern schnapp dir einfach den Übeltäter und versuch freundlich »Nein, Nein« durch deine zusammengebissenen Zähne zu sagen.

»Wenn ich das Baby nicht ständig beobachte, hört es auf zu atmen!«

Du wirst schon sehen, wie oft du neben deinem schlafenden Baby stehen und es anstarren wirst, als ob seine Lungen allein durch deine Willenskraft und Konzentration funktionieren würden. Junge Mütter haben panische Angst, dass ihrem Baby etwas Furchtbares passiert, während sie einen Moment lang nicht hinsehen. Wenn du ausnahmsweise ganze drei Stunden lang ein besonders erholsames Nickerchen halten konntest, wirst du anschließend sofort zu deinem Baby rasen und das Schlimmste befürchten. Man kann nur hoffen, dass es nicht gerade tief und fest schläft, denn vor lauter Panik wirst du es sofort aufwecken, um sein Schreien zu hören und dich so zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist.

»Ich könnte vergessen, dass ich ein Baby habe, und lasse es irgendwo stehen!«

Ich hatte sehr realitätsnahe Träume, in denen ich mein Baby in den Autositz setzte und auf dem Kofferraum abstellte, während ich in der Wickeltasche nach meinen Schlüsseln suchte. Nachdem ich die Schlüssel gefunden hatte, setzte ich mich ins Auto, fuhr los und vergaß vollkommen, dass das Baby noch auf dem Kofferraum stand. Eine meiner Freundinnen befürchtete, ihr Baby bei einem Einkaufsbummel versehentlich in der Umkleidekabine stehen zu lassen und es erst zu Hause zu bemerken. Diese Angst, in der Fürsorge für dein Kind zu versagen, kann sich in einer Vielzahl von Bildern manifestieren. Meine Freundin Chrissie hatte immer wieder einen Albtraum, in dem sie ihr Baby über die Brüstung eines Hotels fallen ließ. Die Szene spielte sich in Zeitlupe ab, und sie war machtlos, sie zu stoppen, obwohl sie wusste, wie sie ausgehen würde. Ich möchte noch hinzufügen, dass Chrissies Kinder inzwischen fast erwachsen sind und unverkennbar eine großartige Erziehung genossen haben. Dieser Albtraum war also keineswegs ein Hinweis auf ihre Natur, sondern vielmehr Ausdruck dafür, wie sehr sie ihre Kinder liebte und beschützen wollte.

»Ich verschlafe eine Mahlzeit, und das Baby verhungert!«

Überraschend viele Mütter (wenigstens finde ich das überraschend) halten sich streng an den Essenszeitplan, den ihnen ihr Kinderarzt empfohlen hat, und fühlen sich sogar verpflichtet, ein schlafendes Baby zu wecken, damit ja keine Mahlzeit versäumt wird - als ob das Baby ohne diese paar Gramm nicht überleben würde. Babys können durchaus auch einmal auf eine Mahlzeit verzichten. Es gibt für mich nur einen einzigen Grund, ein Baby zu einer Mahlzeit aufzuwecken: Wenn ich stille und meine Brüste so prall gefüllt sind, dass sie kurz vor der Explosion stehen.

Du solltest nicht vergessen, dass das Baby sich angewöhnen sollte, die ganze Nacht durchzuschlafen, ohne gefüttert zu werden. Entspann dich und sei dankbar, wenn dein Baby die traditionelle Elf-Uhr-Mahlzeit hat ausfallen lassen - es wird beim nächsten Mal genug trinken, um das Defizit wieder auszugleichen. Wenn es unbedingt sein muss, dann wecke es tagsüber, aber nicht nachts. Babys haben einmal am Tag eine längere Schlafphase, und es ist für alle Beteiligten besser, wenn diese nachts stattfindet, nachdem alle guten (oder wenigstens einigermaßen interessanten) Fernsehshows vorbei sind.

»Was ist, wenn das Baby mich nicht mag?«

Viele meiner Freundinnen, besonders die, die sich während der ersten Wochen von einer Kinderfrau oder der Großmutter unterstützen ließen, befürchteten, dass ihr Baby sie weniger gern haben könnte als den Babysitter. Sie erzählten, ihr Baby weine mehr oder sei unruhiger als bei einer anderen Person, wenn sie es auf dem Arm hätten.

Ich kann dir zwar nicht garantieren, dass es auch in fünfzehn Jahren noch so aussehen wird, aber im Moment liebt dein Baby dich mehr als jeden anderen, denn du bist der Vermittler zwischen ihm und einer fremden Welt. Vielleicht liebt es dich nicht für deinen Witz oder deine Großzügigkeit, aber es liebt dich als Teil seiner selbst. Du musst dir diese Liebe nicht verdienen, sie ist sehr viel elementarer. Dein Baby muss dich lieben, das ist einfach die Regel. Vielleicht reagiert es mit seiner Unruhe nur auf deine eigene Nervosität. Oder, noch wahrscheinlicher, es ist einfach aufgeregt, weil es gleich eine Mahlzeit bekommt und du so viel versprechend riechst wie ein ganzer Milchwagen. Wenn dein Baby außer dir noch andere Personen liebt, sei nicht so egoistisch. Es ist genug Liebe für alle da.

»Was ist, wenn ich mein Baby nicht mag?«

Du wirst dein Baby immer heben, vielleicht wird es dich aber ab und zu nerven. Eine Mutter, die ihr Baby fünf Stunden lang den Flur auf und ab geschoben hat, ohne es zum Schlafen zu bringen, ist vielleicht kurz davor, das Kleine zu verkaufen. Würden unsere Freunde oder sogar Partner sich uns gegenüber derartig fordernd, egozentrisch und gleichgültig verhalten, hätten wir sie schon lange fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. (Du wirst allerdings staunen, bis zu welchem Grad du schlechte Manieren bei deinem eigenen Baby tolerierst.) Nein, du weißt erst, was Bedürftigkeit ist, wenn du ein Baby hast, das dich rund um die Uhr auf Trab hält. Und was bekommst du im Gegenzug? Dann und wann ein schiefes Lächeln, vielleicht eine schmutzige Windel. Wenn du das Gefühl hast, dass du einfach etwas Abstand brauchst, bitte eine wohlwollende Seele wie Mutter, Mann oder Freundin (ist es nicht wunderbar, Freundinnen zu haben?), das Baby ein oder zwei Stunden irgendwohin mitzunehmen, wo du es nicht hören und sehen kannst. Du wirst sehen, eine Ruhepause wirkt wahre Wunder.

»Warum ist mein Leben nur ein solches Chaos?«

Selbst Pedanten und Organisationstalente haben ihren Haushalt nicht mehr unter Kontrolle, wenn ein Neugeborenes einzieht. Während du über Berge dreckiger Wäsche auf dem Wohnzimmerboden steigst, wirst du dich wundern, wie ein winziges Baby nur so viel Arbeit und Zeit kosten kann. Dankesbriefe und Telefonate werden erst einmal warten müssen, denn du kannst schon von Glück sagen, wenn du es bis unter die Dusche schaffst und irgend etwas Sauberes und Passendes zum Anziehen findest. Im Allgemeinen lässt deine äußere Erscheinung im Moment wahrscheinlich etwas zu wünschen übrig - schließlich muss das Baby versorgt werden -, und dein Mann und du, ihr lebt seit drei Wochen von Fertiggerichten. Dann ruft auch noch deine Schwiegermutter an, um dir zu sagen, dass Tante Annie sich schon zum fünften Mal bei ihr erkundigt hat, ob du ihr Winnie-the-Pooh-Buch bekommen hast, und sich wundert, dass sie immer noch nichts von dir gehört hat.

Das ist die eigentliche Wochenbettdepression, nicht die paar Tränen im Krankenhaus nach der Entbindung. All dies, zusammen mit zwei Monaten Schlafentzug und wunden Brustwarzen, kann dich an den Rand der Erschöpfung bringen. Wahrscheinlich fängst du dir erst einmal eine ziemliche Erkältung ein. Ich wünschte, ich hätte ein Patentrezept parat, aber es gibt leider keins. Ich kann dir nur raten, die momentane Situation einfach zu akzeptieren und dir von Freunden und Familie unter die Arme greifen zu lassen. Selbst wenn sie dich verrückt machen oder sie sich kaum den Weg durch deine Küche bahnen können, gib ihnen eine Chance - sie sind im Moment belastbarer als du. Ich kann dir nur sagen, dass wir alle dasselbe durchgemacht haben und du unser tiefstes Mitgefühl hast. Auch diese Zeit geht vorbei (leider nur unmenschlich langsam).

»Ich will nicht stillen!«

Stillen liegt heutzutage sehr im Trend. Es gibt dafür eine ganze Reihe von Begründungen, die ehrfurchtsvoll in fast jedem Schwangerschaftsbuch angeführt werden. Unsere Meinung dazu lautet folgendermaßen: Versuch es. Wenn es dir gefällt, dann mach weiter. Wenn nicht, hast du unsere Erlaubnis aufzuhören. Es gibt unzählige Frauen, für die es fast ein Verbrechen ist, sein Kind nicht zu stillen, und die dir nur zu gerne erzählen werden, dass sie ihre Kinder praktisch bis zum Schulanfang an ihrer Brust genährt haben. Selbst Freundinnen, die gestillt haben, finden diese Geschichten langweilig und moralisierend. Es besteht wirklich kein Grund, ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man sich gegen das Stillen entschieden hat. Ob Muttermilch besser ist als Fertignahrung? Ich denke schon. Aber es ist auch besser, sein Brot selbst zu backen, Spaghetti-Sauce aus frischen Tomaten zuzubereiten und keinen Kaffee zu trinken.

Die Wahrheit ist außerdem, dass Stillen am Anfang ziemlich schmerzhaft sein kann. Eine stillende Mutter muss zusätzlich permanent auf Abruf stehen, es sei denn, sie mausert sich zum Abpump-Profi. Für mein Empfinden ist eine stillende Frau immer noch ein wenig schwanger, da ihr Körper für einen anderen arbeitet. Einige meiner Freundinnen erwähnten auch, dass ihr Mann nur schwer sexuelle Gefühle für sie entwickeln konnte, wenn ein Baby an seinen Lieblingsspielzeugen saugte. Das soll kein Urteil sein, ich gebe nur die Fakten wieder.

Wenn das so ist, warum entscheiden sich Frauen dann überhaupt fürs Stillen? Zunächst einmal ist es für das Kleine Hausmannskost vom Feinsten. Außerdem ist es so einfach, wenn man erst einmal die Technik beherrscht: Du öffnest einfach deine Bluse, stillst das Baby und knöpfst die Bluse wieder zu. Es gibt kein schmutziges Geschirr, du brauchst keine speziellen Zutaten, die du erst einkaufen musst, und es ist viel billiger als Fertignahrung. Mitten in der Nacht (und damit ist jeder Moment des Tages gemeint, an dem du mindestens eineinhalb Stunden am Stück schlafen konntest) , wenn dein Baby vor Hunger schreit, ist dir mit Sicherheit nicht danach, eine Flasche mit Fertignahrung aufzuwärmen. Da ist es wesentlich einfacher, eine Brust herauszuholen und weiterzudösen, während dein Baby gierig saugt. Ein weiterer, äußerst positiver Nebeneffekt für die Mutter ist, dass sich durch das Stillen die Gebärmutter wieder zu ihrer normalen, birnengroßen Form zurückbildet, nachdem sie sich zur Größe eines Matchbeutels ausgedehnt hatte.

Noch eine Sache zum Stillen, von der du vielleicht bisher nichts gehört hast. Wir Freundinnen schwören jedenfalls, dass es wahr ist: Nachdem deine wunden Brustwarzen abgeheilt sind und du das Stillen gut im Griff hast, fühlt es sich richtig gut an. Mit »richtig gut« meine ich so, wie sich Sex richtig gut anfühlt. Es wird nämlich beim Stillen ein Hormon freigesetzt, das einen beruhigenden Effekt hat. Dieses leicht benommene Gefühl zusammen mit den sanften Kontraktionen deiner Gebärmutter (wie nach einem Orgasmus) ist äußerst wohltuend. Deshalb haben auch so viele Frauen beim Stillen dieses entrückte Lächeln auf den Lippen. Leider wird gleichzeitig auch eine weniger angenehme Chemikalie freigesetzt, die dich durstiger macht, als du es nach einer stundenlangen Wanderung durch die Wüste wärst. Am besten, du stellst dir vor dem Stillen oder bevor du ins Bett gehst ein großes Glas Wasser (ungefähr von der Größe eines Eimers) neben dich. Meine Freundin Dona hatte immer ein riesiges Glas mit Eiswürfeln neben dem Bett stehen, damit sie beim nächsten Stillen gekühltes Wasser parat hatte.

Für mich war das Beste am Stillen, dass ich Prioritäten setzen musste, um Raum für mein Baby zu schaffen: Ich war gezwungen, sinnlose Dinge zu vernachlässigen, um mich ganz auf mein Baby und mich zu konzentrieren. Wir machen heute den großen Fehler, dass wir nach Schwangerschaft und Entbindung so schnell wie möglich wieder fit werden wollen. Schließlich hat unser Körper neun Monate lang diesen Zustand aufgebaut und aufrechterhalten. Genauso viel Zeit sollten wir uns für die Erholung zugestehen. Wir sollten uns einfach mehr Zeit lassen und nicht versuchen, bereits sechs Wochen später wieder unser normales Leben aufzunehmen.

»Was ist, wenn ich auf die Toilette muss?«

Dieses menschlichste aller Bedürfnisse wird dich nach deiner Entbindung vor deine erste körperliche Krise stellen. Wenn du vaginal oder durch Kaiserschnitt entbunden hast, läuft es dir nämlich schon beim bloßen Gedanken an Stuhlgang eiskalt den Rücken hinunter. Da fällt mir ein triftiger Grund für eine vaginale Entbindung ein -sofern du die Wahl hast. Nach einem Kaiserschnitt darf man das Krankenhaus nämlich erst verlassen, nachdem man der Schwester das Produkt eines erfolgreichen Toilettenbesuchs zeigen konnte. Nach einer Vaginalentbindung musst du vor deiner Entlassung lediglich das Versprechen abgeben, bald auf die Toilette zu gehen.

Wahrscheinlich bist du im Scheidenbereich noch immer sehr wund und sicher nicht gerade versessen darauf, das abheilende Gewebe zu dehnen. Du wirst allerdings nicht darum herumkommen. Einige Ärzte empfehlen, täglich ein mildes Abführmittel einzunehmen und damit am Tag der Entbindung zu beginnen, um sich das Ganze etwas zu erleichtern. Sie täten allerdings besser daran, ein Beruhigungsmittel zu verschreiben, weil die Angst vor dem Gang zur Toilette fast schlimmer ist als die Sache an sich.

Einige Tage nach deiner Entbindung wird dein Körper dir signalisieren, dass er die Geburtsstrapazen überwunden hat und bereit ist, sich zu »entleeren«. Wenn du so ein Angsthase bist wie ich, wirst du versuchen, dieses Gefühl so lange zu ignorieren, bis du kurz vorm Explodieren bist. Den Tränen nahe wirst du schließlich den Gang zur Toilette antreten wie Marie Antoinette den Weg zur Guillotine - in der Gewissheit, dass beim Drücken dein Dammschnitt aufreißt und deine Hämorrhoiden leiden werden. Aber wie bei der Entbindung kommt auch hier der Augenblick, wo dir keine Wahl mehr bleibt und du pressen musst, auch wenn du kurz davor bist, ohnmächtig zu werden. Es ist schnell vorbei, und du wirst es überstehen, ohne dass deine Naht im Damm aufreißt, selbst wenn du ein wenig bluten solltest. Ob es weh tut? Ja, aber ich verspreche dir, es ist das letzte Mal, dass es so wehtut, wenigstens bis zum nächsten Baby. Deine Hämorrhoiden werden vielleicht ein wenig bluten, aber dazu gibt es ja Wattebäusche, die man in Hamamelis tauchen kann.

»Was ist, wenn mein Mann mit mir schlafen will?«

Alle Freundinnen sollten weltweit einen Pakt untereinander schließen: Selbst wenn dein Arzt dir sechs Wochen nach der Entbindung bei der ersten Untersuchung mitteilt, dass du nun wieder Geschlechtsverkehr haben kannst, BRAUCHST DU DAS JA NICHT UNBEDINGT DEINEM MANN zu erzählen. Wir müssen uns nur einig sein und unseren Männern versichern, dass wir drei Monate lang auf keinen Fall Geschlechtsverkehr haben dürfen.

Schließlich treibt dir schon die Untersuchung beim Arzt den Angstschweiß auf die Stirn. Zu diesem Zeitpunkt ist der Gedanke an sexuelles Vergnügen einfach ein Widerspruch in sich. Warum, fragst du dich vielleicht, sollte eine gesunde, attraktive Frau nach einer Entbindung nicht mit ihrem Mann schlafen wollen? Nun, hier einige der ganz offensichtlichen Gründe:

1. Angst vor Schmerzen

Zwei Hämorrhoiden und ein Dammschnitt mit unzähligen Stichen machen Schamlippen und Vagina zu einem äußerst empfindlichen Bereich. Außerdem hat dein Damm, der Bereich zwischen Vagina und After, bei der Geburt zahlreiche Blutungen und Schwellungen davongetragen.

2. Du hast vielleicht noch Blutungen

Nach der Entbindung setzt eine Art nicht enden wollende Periode ein. Zuerst ist sie sehr stark, rot und ziemlich klumpig. Mit der Zeit dann eher bräunlich und schließlich gelblich. Je nach deinen persönlichen sexuellen Vorlieben steigert das bei deinem Mann oder dir vielleicht nicht gerade die Lust.

3. Du bist völlig trocken

Die Vagina einer jungen Mutter ist so trocken, dass sie jegliche Art von Befeuchtung gut gebrauchen kann. Deine Hormone stellen vorübergehend die Produktion von Scheidensekret ein, besonders wenn du stillst. Für mich ist das völlig einleuchtend, denn auf diese Weise sorgt die Natur dafür, dass die Mutter eines Säuglings erst wieder schwanger wird, wenn das erste Baby aus dem Gröbsten heraus ist, und erschwert uns den Geschlechtsverkehr. Du kannst ja versuchen, ob du mit dieser anthropologischen Erklärung bei deinem liebeshungrigen Mann Erfolg hast. Vielleicht funktioniert sie bei dir besser als bei einigen meiner Freundinnen.

4. Du bist nicht in der Stimmung

Mutter zu werden, ist physisch und emotional eine solch überwältigende Erfahrung, dass sich am Anfang die Welt nur noch um das Baby und dich selbst drehen wird. Nachdem tagsüber ständig ein kleines Wesen an dir saugt, sein Bäuerchen auf deiner Schulter macht und sich auf andere Weise deines Körpers bedient, hast du am Ende des Tages wirklich keine Lust auf einen liebeshungrigen Gatten, der dasselbe tut. Du bist einfach nicht in der Stimmung, dir die Beine zu rasieren und sexy Dessous anzuziehen. Viel lieber würdest du allein im Bett liegen, es dir in schlabberigen T-Shirts bequem machen, fernsehen und einfach nur in Ruhe gelassen werden.

Zu diesem mangelnden Interesse an Sex kommt - nebenbei bemerkt - noch, dass du dich die ersten Monate nach der Geburt nicht besonders attraktiv fühlst. Wahrscheinlich dauert es noch einige Wochen, bis dein Bauch nicht mehr schlaff herunterhängt, wenn du dich zur Seite rollst, und deine Brustwarzen nicht mehr schmerzen (falls du stillst). Außerdem bist du vielleicht frustriert, weil du noch nicht wieder aussiehst wie früher. Du jedenfalls hättest keine Lust auf Sex mit jemandem, der so aus der Form gegangen ist. Warum also sollte dein Mann dazu Lust haben?

5. Du bist so müde, dass du heulen könntest

Die meisten meiner Freundinnen sind sich einig, dass die permanente Müdigkeit nach einer Entbindung das größte Hindernis ist, um wieder ein normales Sexualleben zu führen. Wenn du Zeit für Sex hättest, könntest du auch ein Nickerchen halten, und Letzteres wird während der ersten paar Monate sehr viel verlockender sein. Du bist müde, weil du dich von den Geburtsstrapazen erholen musst und dein Körper hart arbeitet, um die Milchversorgung aufrechtzuerhalten. Meistens jedoch bist du einfach müde, WEIL DU NICHT ZUM SCHLÄFEN KOMMST! Es zehrt ganz schön, wenn man nur hin und wieder ein Nickerchen halten kann und nicht einmal mehr Zeit zum Träumen hat.

6. Du hast Äugst, deinen Mann zu ertränken

Zuerst muss ich dir erzählen, welch sinnigen Witz sich Mutter Natur ausgedacht hat: Sexuelle Stimulation und Orgasmus aktivieren den Milchflussreflex. Das bedeutet, gerade dann, wenn der Sex so richtig gut wird, bespritzt du euch beide mit Milch. Vielleicht solltest du also besser deinen BH (mit zusätzlichen Stilleinlagen) anbehalten, während du dich langsam wieder in den Sattel schwingst (ein weiterer Grund, mit dem Liebesleben noch etwas zu warten). Sonst habt ihr das Gefühl, euch in einer Autowaschanlage zu heben.

Bevor du nun befürchtest, nie wieder Lust auf Sex zu haben, wollen wir dir aus dieser Misere helfen. Ich garantiere dir, irgendwann hast du wieder Lust darauf (und je früher das passiert, desto lieber ist es den meisten Männern).

Im Folgenden einige Ratschläge meiner Freundinnen, wie sich das Eis brechen lässt.

1. Du brauchst mindestens eine Stunde Pause von dem Baby, bevor du überhaupt an Sex denken kannst.

Du musst vor allem das »Mami-Gespinst«, das du um dich gewoben hast, durchbrechen und wieder mit deinem Mann vertraut werden. Es wird euch beiden vielleicht schwer fallen, aber sprecht während dieser vorbereitenden Phase nicht über das Baby. Ihr verpasst sonst die Chance, euch wirklich aufeinander einzulassen. Außerdem beginnt beim Gedanken an das Baby bei dir vielleicht die Milch zu laufen. Das ist der Moment, deinem Mann zu zeigen, wie schwach du dich noch immer fühlst und wie sehr du es begrüßen würdest, wenn er es schön langsam angehen lassen könnte. Jegliche Form von Bitten, Bestechungen oder Drohungen ist zu diesem Zeitpunkt völlig legitim.

2.  Trink ein Glas Wein

Ich hätte das sowieso vorgeschlagen, aber nun wurde sogar kürzlich eine medizinische Untersuchung veröffentlicht, in der nachzulesen war, dass Wein eine aphrodisierende Wirkung auf Frauen hat. Ich denke, die meisten meiner Freundinnen wussten das sowieso schon. Aber selbst wenn er diese Wirkung nicht hätte, würde ich dir zu einem Glas raten, weil du danach vergessen hast, worüber du dir überhaupt Sorgen machst. Vielleicht tut es beim Sex noch ein bisschen weh, aber mit einem kleinen Schwips wird es dir kaum auffallen.

3. Benutze ein Gleitgel

Aber es reicht nicht, betranken zu sein, du solltest auch etwas feucht sein. Zu diesem Zweck sind verschiedene Gelees im Handel erhältlich. Am besten, du besorgst dir eines im Voraus, damit du nicht dein Medizinschränkchen panisch durchwühlen und dann mit Vaseline oder Babyöl vorlieb nehmen oder sogar in der Speisekammer suchen musst. Und warum leitet ihr eure erste sexuelle Vereinigung nicht mit einer Massage ein? Ich bin mir sicher, du könntest eine vertragen, und dein Mann wird sich eine Gelegenheit wie diese nicht entgehen lassen. Seine Lust ist wahrscheinlich so groß, dass er sogar einen Ölwechsel bei deinem Auto vornehmen würde, wenn das deine Bedingung wäre. Benutzt kein normales Körperöl, sondern richtiges Massageöl. Meine Freundin Sondra, das gerissene Ding, schenkte mir damals Essbares Massageöl - sozusagen als eine Art Dessert, bei dem man seiner Phantasie freien Lauf lassen kann.

4. Vergiss die Verhütung nicht

Auch wenn du es schon oft gehört hast, möchte ich es noch einmal wiederholen: DU KANNST SCHWANGER WERDEN, WÄHREND DU STILLST, UND DU KANNST SCHWANGER WERDEN, AUCH WENN DU BISHER NOCH KEINE PERIODE HATTEST. Ein Kondom kann hier eine gute Lösung sein (besonders wenn du stillst und die Pille nicht nehmen darfst). Außerdem enthalten Kondome Gleitmittel, was die Sache zusätzlich erleichtert.

Keine meiner Freundinnen kann mir weismachen, sie hätte beim ersten Verkehr nach der Entbindung einen Orgasmus bekommen. Vielleicht meine Freundin Melanie, aber die hat ihren Mann auch schon ein paar Stunden nach ihrem Kaiserschnitt im Krankenhaus oral befriedigt und zählt also nicht. Es ist mir wirklich ein Rätsel, warum ich sie so mag. Jedenfalls geht es beim ersten Mal nach der Entbindung nicht darum, ein sexuelles Feuerwerk zu erleben, sondern darum, Intimität und Zärtlichkeit auszutauschen. Ich weiß, im Moment ist es nur schwer vorstellbar, dass du jemals wieder deine frühere sexuelle Leidenschaft entwickeln wirst, aber irgendwann wird es ganz bestimmt so sein.






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