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Der erste Tag

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Willkommen, Gast · RSS 22.10.2017, 19:15


DIE ERSTEN NEUN MONATE DES LEBENS

Der erste Tag


Bevor ich aus meiner Mutter geboren ward,
haben Generationen mich getragen . . .

Walt Whitman





Ein Baby beginnt sein Leben als eine einzige Zelle, die kleiner als der Punkt am Ende dieses Satzes ist und mit dem bloßen Auge kaum erkannt werden kann. Diese Zelle entsteht durch die Vereinigung zweier Elternzellen: der weiblichen Eizelle (lateinisch: ovum ) und der männlichen Spermazelle.

Das menschliche Ei, hier etwa 469fach vergrößert, ist kleiner als ein Punkt. Dieses blassgelbe, runde Ei wird von einer durchscheinenden Membran wie ein Lichtkranz umschlossen, der «zona pellucida», und ist umgeben von einem wolkenartigen Gebilde von Schutzzellenmaterial. Dieses Ei wurde bei einem operativen Eingriff entdeckt. Normalerweise sieht man das menschliche Ei niemals


Die Elternzellen haben bei der Fortpflanzung eine doppelte Funktion. Gemeinsam veranlassen sie das bemerkenswerteste und dynamischste Ereignis in der Natur: den Aufbau eines lebenden Körpers aus einzelnen Molekülen von Proteinen, Kohlehydraten und anderen Biochemikalien. Darüber hinaus bestimmen die Elternzellen die spezifischen Eigenschaften des Babys. Diese Eigenschaften werden durch Vererbung weitergegeben und gehen auf die biologischen Wurzeln der Familie zurück. In gewissem Sinne hat jedes neue Leben tatsächlich keinen definitiven Anfang. Seine Existenz ist durch die Existenz der Elternzellen zustande gekommen, und diese wiederum sind aus den vorhergehenden Elternzellen entstanden. Immer wenn zwei Elternzellen sich vereinigen, führt dies zu einer Mischung der Eigenschaften aller ihrer Vorgänger. Auf diese Weise sind alle Menschen, da sie von nur wenigen früheren menschlichen Lebewesen abstammen, durch ein gemeinsames Erbe miteinander verknüpft.

Die menschliche Spermazelle, das helle mit Pfeil gekennzeichnete Kügelchen, ist viel kleiner als das Ei und bahnt sich hier seinen Weg durch das Zellmaterial, das das Ei umgibt. Es handelt sich um das auf Seite 22 gezeigte Ei.

Die durchsichtige Hülle des menschlichen Eies (hier vom Ei entfernt) besteht aus einer zähen, aber elastischen Membran.


Die menschliche Eizelle ist so klein wie die Spitze einer sehr feinen Nadel. Sie ist gelblich gefärbt, denn das Nadelspitzen-Ei enthält ein wenig Dotter und ist kugelrund. Die männlichen Zellen sind sehr viel kleiner als das Ei; zweitausendfünfhundert Spermien wären nötig, um einen Punkt zu bedecken. Die Spermazellen werden oft mit Kaulquappen verglichen, weil sie ein ähnliches Aussehen haben und schwimmen können. Zum Unterschied vom Ei besitzen die männlichen Zellen die Fähigkeit der Eigenbewegung. Der schnelle Rück- und Vorschlag ihrer Schwänze treibt die Spermazellen voran. In der Flüssigkeit auf dem Objektträger schwimmen sie ziellos umher. Aber sobald eine von ihnen das Ei erreicht hat, wird sie lebhaft; ihr Schwanz schlägt schneller und treibt den Kopf voran, um die Schutzhülle des Eies zu durchdringen. Diese äußere Hülle ist eine schimmernde, durchsichtige, aber zähe Membran, genannt zona pellucida , die durchscheinende Hülle.

Eine eingedrungene Spermazelle durchwandert das Innere des Eies und strebt auf den weiblichen Kern zu. Das Eivolumen ist 85000mal größer als das des Spermiums.

So würde das menschliche Ei, seine Schutzhüllen hinter sich herziehend, wahrscheinlich aussehen, wenn es im mütterlichen Eileiter treibt und bereit zur Befruchtung ist. Es handelt sich hier um dasselbe Ei wie auf der am meisten oberen Foto.


Die männliche Zelle durchdringt die Eihülle nicht mit mechanischer Kraft allein. Ihr kommt beim Vordringen eine besondere chemische Substanz zur Hilfe, ein Verdauungsenzym, das im Spermium enthalten ist. Dieses Enzym ermöglicht dem Spermium, sich seinen Weg durch die zona pellucida und weiter durch eine darunter befindliche dünnere Membran zu bahnen, die die Eisubstanz umschließt. Danach befindet sich die männliche Zelle im Körper des Eies. Aber um die Vereinigung abzuschließen, muss die männliche Zelle noch weiter bis in das Zentrum des Eies vordringen und sich mit dem weiblichen Zellkern verbinden. Die nun folgende Fusion beider wird Befruchtung genannt: sie ist das entscheidende Ereignis, mit dem die Entwicklung eines Babys beginnt. Man hat beobachtet, dass mehrere männliche Zellen in das Ei eindringen können, aber man nimmt an, dass nur diejenige, die den weiblichen Kern als erste erreicht, die Befruchtung vollzieht, und dass dadurch die konkurrierenden Spermazellen ausgeschlossen werden. Mit den leichten Versen von Aldous Huxley:

Millionen Millionen
von Spermatozoen
sind alle am Streben,
die Sintflut zu überleben,
doch Hoffnung besteht hier:
ein Noah entgeht ihr.

Wir können zwar die Vereinigung der Elternzellen unter dem Mikroskop beobachten, können sie aber weder sehen noch bemerken, wenn sie sich in den geschützten Verstecken des mütterlichen Körpers vollzieht. Es gibt kein natürliches Anzeichen, das von dem Ereignis Kunde gäbe. Deshalb können wir niemals genau wissen, wann die Befruchtung vor sich geht, wohl aber wissen wir einigermaßen genau, wie sie vor sich geht.

Auf dieser Mikrophotographie, die das Innere eines menschlichen Eies zeigt, liegen die beiden kreisförmigen Körper der Elternzellkerne nebeneinander im Augenblick der Empfängnis. Dieses Ei wurde ebenfalls bei einem operativen Eingriff entdeckt. Der größere Körper enthält die Erbanlagen der Mutter, der kleinere die des Vaters. Dazwischen befindet sich der Schwanz der Spermazelle, der abfällt, wenn das Spermium das Innere des Eies erreicht hat.


Das weibliche Ei kommt aus dem Ovarium der Mutter. Die Mutter hat zwei Ovarien, und diese enthalten mehr als eine Viertelmillion unreifer Eizellen, von denen einige bereits seit der Geburt vorhanden sind. Normalerweise reift - abwechselnd in beiden Ovarien - jeden Monat ein Ei, etwa zwei Wochen vor einer erwarteten Menstruation. Das gereifte Ei tritt aus dem Ovarium aus und gelangt in die trompetenförmige Öffnung einer Hohlröhre. Dies ist der Eileiter, die tuba fallopiae , die einen inneren Durchmesser von der Stärke einer Haarborste hat und etwa 10 cm lang ist. Je eine solche Tube führt von den Ovarien zur Gebärmutter, dem Uterus. Das winzige runde Ei wird durch einen sanften Strom mütterlicher Flüssigkeiten langsam in der Tube dem Uterus zugetrieben. Das Ei hat eine sehr geringe Lebensdauer, und unbefruchtet würde es bald zugrunde gehen. Um überleben zu können, muss es am ersten, spätestens aber am zweiten Tage nach seinem Eintritt in die Tube von einer männlichen Zelle befruchtet und aktiviert werden.

Die männlichen Zellen werden in den Testikeln des Vaters produziert. Man nimmt an, dass ständig viele Millionen neuer Zellen erzeugt werden und dass die Zellen, die die Mutter erreichen, frisch sind. Die männlichen Zellen haben eine längere Lebensdauer als die weiblichen. Sie bleiben drei Tage und vielleicht sogar noch länger lebendig. Darum glaubt man, dass die männlichen Zellen manchmal einige Tage im Eileiter der Mutter leben und dort auf die Eizelle warten können. Dadurch würde die Zeitspanne, in welcher ein Baby empfangen werden kann, auf etwa fünf Tage im Monat verlängert, wenn nicht auf noch mehr. Die Aussicht, dass in der Fruchtbarkeitsperiode eine Empfängnis stattfindet, wird dadurch erheblich vergrößert, dass der Vater normalerweise einen gewaltigen Überschuss an Geschlechtszellen produziert. Mindestens zwanzig Millionen Spermazellen - und oft sogar bis zu fünfhundert Millionen - pflegen in einem einzigen Ejakulat vorhanden zu sein. Die Natur hält einen Überfluss an Zellen bereit, aber viele Millionen von ihnen erreichen nicht ihr Ziel, nachdem sie in den Körper der Mutter eingedrungen sind. Nur einige Dutzend der ursprünglichen Millionen gelangen in die Nähe des Eies, das zu dieser Zeit noch hoch oben im Eileiter treibt. Man schätzt, dass diese Zellen die Entfernung von 18 cm in etwas mehr als einer Stunde zurücklegen und ihr Ziel durch Zufall erreichen.

Jede Spermazelle bringt den väterlichen Erbanteil zum Ei. Zu den Eigenschaften, die der Vater beiträgt, gehört das Geschlecht des Kindes. Es gibt zwei Arten von Spermazellen: eine - die Y-Spermie - bewirkt einen männlichen Nachkommen, die andere - die X-Spermie - einen weiblichen. Das Männliche überwiegt offensichtlich gegenüber dem Weiblichen, denn der Geburt von 100 Mädchen-Babys steht die Geburt von 106 Knaben-Babys gegenüber.

Die mütterlichen Erbanlageträger, die Chromosomen, die sich hier auf eine mögliche Befruchtung vorbereiten, sind auf dieser stark vergrößerten Mikrophotographie des Inneren eines menschlichen Eies in der Bewegung festgehalten.

Der erste Tag des künftigen Babys beginnt, sobald sich diese ersten beiden Zellen aus dem einzelnen Ei entwickelt haben.

Die Erbmitgift von Vater und Mutter befindet sich in den Kernen der beiden Elternzellen. Der männliche Kern sitzt im Kopf des Spermiums, der weibliche in der Mitte der Eizelle. In jedem Kern befinden sich Elemente, die Gene genannt werden, und zwar mindestens fünfzehntausend in jedem. Die Gene sind so klein, dass sie durch kein Mikroskop gesehen werden können. Sie sind Träger chemischer Instruktionen für sämtliche Einzelheiten des neuen Babys. Die (Instruktionen) sind in den Genen durch die Moleküle ihrer Grundsubstanz, einer Nukleinsäure, enthalten. Wenn man sich die Moleküle als Symbol denkt, wie z. B. ein Alphabet, so kann man sich vorstellen, wie diese molekularen «Buchstaben» durch vielfältige Zusammenstellungsmöglichkeiten jedes Gen mit den verschiedensten Instruktionen versehen können.

Wenn der Spermium-Kern den Ei-Kern erreicht hat, legen sich beide nebeneinander, und ihr Inhalt vermischt sich. Während dieser halben Stunde werden in dem nadelspitzengroßen Ei alle Eigenschaften des neuen Babys festgelegt, darunter die Wesensmerkmale der menschlichen Spezies und auch individuelle Charakteristika, wie männliches oder weibliches Geschlecht, die Farbe von Augen, Haaren und Haut, die Gestaltung von Gesicht und Körper, die Tendenz, groß oder klein, dick oder dünn, von robuster oder wenig widerstandsfähiger Gesundheit zu sein, und ohne Zweifel auch die Tendenz zu gewissen Eigenschaften des Temperaments und der Intelligenz. Bei so vielen Genen, wie sie bei der Vereinigung der Elternzellen zusammentreffen, sind fast unbegrenzte Möglichkeiten für neue Variationen der vorhandenen familiären Anlagen gegeben. Jedes neue Baby ist ein Individuum eigener Art, das niemals gänzlich einem Elternteil oder irgendeinem seiner Vorfahren gleicht.

Wenn sich die Synthese der beiden elterlichen Kerne innerhalb des Eies vollzogen hat, bilden sich zwei neue Kerne. Die genetische Ausstattung dieser beiden neuen Kerne unterscheidet sich von jener beider Elternkerne: sie ist eine Mischung von beiden. Der Augenblick, in dem sich die beiden neuen Kerne bilden und das nunmehr befruchtete Ei sich teilt, ist der Anfang für das Leben eines neuen Individuums: die erste Stunde des ersten Tages.

In diesem Buch wird das Alter des Babys immer von dieser Stunde an gerechnet. Sie ist jedoch im individuellen Fall so schwer zu ermitteln, dass man das pränatale Alter gewöhnlich von der letzten Menstruation der Mutter an datiert. Die Ärzte sprechen in der Schwangerschaft vom menstruellen Alter, nicht vom tatsächlichen. Einem alten Brauch zufolge erklärten die Chinesen ein Kind bei der Geburt für ein Jahr alt. Sie wussten schon vor langer Zeit, dass unser Leben nicht erst am Tag unserer Geburt beginnt.


      





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